Frauen lassen mehr absaugen

7. Jänner 2002, 19:39
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Fettdepots um die Hüfte führen angeblich zu Herz-Kreislauf-Krankheiten

MedizinerInnen suchen nach Erklärungen, warum bei Frauen Fettdepots um die Hüfte zu Herz- Kreislauf-Krankheiten beitragen. Einer US-Studie zufolge hat sich mit dem Fettabsaugen die radikalste Form, Hüftspeck loszuwerden, zu einer wirksamen und sicheren Methode entwickelt.

Leicht Übergewichtige und bis zu mittelschwer Fettleibige können sich heute ohne Gesundheitsrisiko bis zu 17 Liter Körperfett bei einer einzigen Operation absaugen lassen, berichten Ärzte von der kalifornischen Stanford University. "Das Absaugen größerer Fettmengen kann eine sichere und effektive Maßnahme sein", schreiben sie im US-Fachjournal Plastic and Reconstructive Surgery, "wenn chirurgische und anästhetische Techniken richtig eingesetzt werden." Das ist das Ergebnis einer 12-Jahres-Untersuchung von 631 überwiegend weiblichen Patienten. Ein Jahr nach dem Absaugen hatten etwa 80 Prozent ihr postoperatives Gewicht gehalten, Komplikationen seien in aller Regel harmlos gewesen, vier PatientInnen entwickelten ein Lungenödem mit Flüssigkeitsansammlung in der Lunge, einer eine Lungenentzündung.

Dass es heute nicht mehr zu den früher häufigen und schweren Komplikationen kommt, sei einer Anfang der 90er-Jahre entwickelten und inzwischen gängigen Operationstechnik zu verdanken, schreibt das Fachjournal. Dabei wird Flüssigkeit mit Lokalanästhetika und blutungshemmenden Substanzen in das Fettgewebe injiziert, anschließend werden Fettgewebe und Flüssigkeit über ein Röhrchen und eine staubsaugerähnliche Apparatur abgesaugt. Noch in den 80er Jahren seien etwa 70 Prozent Körperfett und 30 Prozent Blut abgezapft worden, heute betrage das Verhältnis 70 Prozent Fett, 29 Prozent Flüssigkeit und nur ein Prozent Blut.

Wahrnehmungsmuster

Solche Eingriffe seien allerdings nur für Gesunde und nicht extrem Fettsüchtige geeignet, PatientInnen bedürfen außerdem "der erforderlichen Motivation für nötige Schritte wie Diät, Bewegung und Lebensstiländerungen". Ein Beitrag in Psychology of Men and Masculinity belegt jetzt mit harten Zahlen, warum Frauen unter anderem häufiger zur Gewichtsreduktion via Schönheitschirurgie neigen als Männer. Ursache seien unterschiedliche Wahrnehmungsmuster des eigenen Körpers als Folge tradierter Ideale von überschlanken Frauen und kräftigen Männern. Eine Untersuchung von 813 Personen zeigte, dass sich 31 Prozent der objektiv normalgewichtigen Frauen als übergewichtig erlebten, aber bloß fünf Prozent der Männer. Umgekehrt erlebten sich fast jeder zweite übergewichtige Mann als normalgewichtig, aber nur vier Prozent der Frauen.

Doch möglicherweise sprechen, wenn andere Versuche abzunehmen nicht klappen, in einer Reihe von Fällen nicht nur ästhetische Erwägungen für eine Fettabsaugung. Bluthochdruck zum Beispiel, berichtet die Ärztezeitung, "korreliert bei Adipösen mit dem Taillenumfang". Besonders im Hüftfett befänden sich Substanzen, die den Blutdruck in die Höhe treiben können - allerdings seien hier viele Details noch ungeklärt. Und im Rahmen der "CORA-Studie" wurde untersucht, inwieweit bei Frauen Übergewicht Einfluss auf die Entstehung einer Herz-Kreislauf-Krankheit haben kann. Ein Ergebnis war, dass daran erkrankte Frauen 3,5-mal häufiger eine ungünstige "Taille-Hüft-Relation" aufwiesen als gesunde. (rbe) - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 5./6.1.2002

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