Waschen und dann tausendmal aufzipfeln

4. Jänner 2002, 19:17
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In Österreichs größter Wäscherei am Flötzersteig wird der Wäscheberg der Wiener Spitäler desinfiziert und gesäubert

Wien - Rasch geht die Arbeit von der Hand. Ein paar Männer und Dutzende Frauen sortieren, verschieben Gittercontainer, falten und zupfen. Jeden Tag. Acht Stunden lang. In dieser Zeit kümmern sie sich um fast 30 Tonnen Wäsche aus den Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes: Gut 82.000 saubere Hemden, Ärztekittel, Leintücher, Bettbezüge, Babyhöschen verlassen danach Österreichs größte Wäscherei.

"Unser Hauptkunde ist das Wiener AKH", erzählt Betriebsleiter Johann Leidenix, während stapelweise mit Blut, Urin, Essensresten verschmutzte Wäsche abgeladen wird. 15 Tonnen Wäsche werden alleine von dort täglich geliefert. Ein Paar Männer schnappen sich die 50-kg-Säcke und beginnen zu sortieren. Flachwäsche, dazu zählen Leintücher oder Tuchentbezüge, werfen sie in eigene Container. Für Kleider und Hemden sind andere Behälter da. Automatisch wird die Wäsche am Fließband zu den riesigen Waschmaschinen befördert.

Dort wacht Herr Gerhard am Computer. Würde auch nur ein einziger Wäschesack verloren gehen - er könnte das am Bildschirm erkennen. Jedes Leintuch und jeder Arbeitsmantel ist per Strichcode gekennzeichnet. Damit ist die elektronische Verteilung der Wäsche vom jeweiligen Spital und wieder zurück gewährleistet. Sogar jeder einzelne Arbeitsmantel könnte theoretisch dem jeweiligen Krankenpfleger wieder in seinen Spitalsspind gehängt werden, erzählt Leidenix' Stellvertreter Michael Lörincz. Wenn die stadteigene Wäscherei einmal als Privatanbieter österreichweit am Markt auftreten wird, soll dieses Service auch angeboten werden.

Nass und schwer

Nach dem Waschen werden die Leintücher gepresst. Wasser tropft in das Auffangbecken. Schaum bildet sich. Obwohl für jeden Arbeitsgang, der Schmutz- in saubere Wäsche verwandelt, Maschinen da sind, ist viel Handarbeit notwendig. Und anstrengende Körperarbeit. Die Wäsche ist in nassem Zustand doppelt so schwer wie trockene. Quer durch die viertausend Quadratmeter große Halle wird die Wäsche weitergereicht. Fast alle stehen kurzärmelig an ihren Arbeitsstationen. Warm ist es hier drinnen. Und feucht.

Nach der Mangel steht Frau Dragina bereit. Diese Woche ist sie mit "Aufzipfeln" dran. Sie fädelt die Leintücher auf zwei Haken, zieht sie hoch. Jede Menge gelber Leintücher baumeln über ihr im Zwischenspeicher, ehe sie für die Faltmaschine aufgespannt werden. Wie ihre Kolleginnen macht sie diese Arbeit seit Jahren. Weiter vorne zieht das Förderband die Leintücher verknittert rein, hinten kommen sie glatt und gefaltet raus. Das kleine Haushaltswunder vollzieht sich täglich an Tausenden Leintüchern, bevor Frau Christina jeweils zehn Stück übereinander stapelt und sie in Rollkisten legt. Sie schiebt die Kiste weiter. Zwei andere Frauenhände greifen danach. Purer Automatismus. Ab und zu hört man ein paar Lacher. Das leise und dauernde Brummen der Maschinen macht Gespräche am Arbeitsplatz anstrengend.

Durchschnittlich zwölftausend Schilling netto im Monat verdienen die rund 220 Mitarbeiter unter diesen Bedingungen. Und Leidenix freut sich über "erfahrene Mitarbeiter". Denn "die meisten sind lange bei uns". (DER STANDARD, Print, 5.1.2001)

Andrea Waldbrunner
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