Franz Voves: "Ich will nie abheben"

4. Jänner 2002, 19:56
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Der designierte steirische SP-Chef will die Partei erneuern und die Absolute der ÖVP in der Landesregierung brechen

Graz - Viel G'riss um Franz Voves. Alle 15 Minuten läutet beim Interviewtermin das Telefon, im Vorraum warten Parteifreunde, jeder an der Parteispitze sucht jetzt die Nähe zum designierten steirischen SPÖ-Chef.

Es geht freilich auch die Angst um. Denn macht der Finanzvorstand der Merkur-Versicherung das wahr, woran er denkt, steht der steirischen SPÖ eine Runderneuerung an allen Gliedern bevor. Köpfe mit einbezogen. Voves, der Anfang März am Sonderparteitag zum neuen SPÖ-Landesvorsitzenden gewählt werden wird, lässt im Gespräch mit dem STANDARD keinen Zweifel offen, dass er seine Partei, die zuletzt eine schwere Wahlniederlage erlitten hatte und seitdem nicht wieder auf die Beine kam, auch auf der Führungsebene völlig umkrempeln wird.

Voves: "Es wird eine generelle Veränderung des Teams an der Spitze geben. Der Zeitpunkt der Veränderung kann ein Jahr vor der nächsten Wahl sein, aber auch schon bald. Es wird aber keine Köpferollen geben, das ist nicht mein Stil. Es wird bei uns so etwas wie eine Kultur des Abschiednehmens geben."

Er brauche zur Veränderung der Partei, die sich in den letzten Monaten zu sehr mit Personalinterna beschäftigt habe, ein "tolles Team", mit dem er "spannende SPÖ-Konzepte und -Standpunkte" - woran es zuletzt gemangelt habe - entwerfen wolle. Die SPÖ müsse wieder die "Ideenführerschaft" übernehmen und neue Fantasien in der Sozialpolitik, im Gesundheitsbereich und der Arbeitspolitik entwickeln. Damit hofft Voves, zur ÖVP wieder aufzuschließen und die absolute VP-Mehrheit in der Regierung brechen zu können.

Voves legt Wert darauf, "kein In-Typ der Societyspalten" zu sein, er wolle vielmehr die SPÖ wieder zurück zur Basis führen. Der Noch-Merkur-Vorstand Voves: "Ich kenne als Manager eines Milliardenunternehmens die Mechanismen des Turbokapitalismus genau. Ich weiß, wie die Märkte funktionieren, und ich möchte dieses Wirtschaftswissen zurückgeben und es dafür einsetzen, um den Schwächeren zu helfen. Ich möchte dabei meine ganz persönlichen Wurzeln als Arbeiterkind nicht vergessen und vor allem eines nicht: abheben."

Offene Kritik an seinem Vorgänger, Noch-Parteichef Peter Schachner-Blazizek, der ihn als seinen Nachfolger vorgeschlagen hat, vermeidet der neue SP-Chef. Voves lässt aber Distanz zur Politik Schachners erkennen. Voves: "Ich will die SPÖ nicht als Vorsitzendenpartei sehen, sondern als Team erleben. Es soll Offenheit herrschen und vor allem Ehrlichkeit. Und als Erstes werde ich danach trachten, dass Politik von unten nach oben gemacht wird."

(DerStandard,Print-Ausgabe,5.1.2002)
von Walter Müller
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