Reise nach Jerusalem: Ein Stuhl für Fischer

4. Jänner 2002, 19:40
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Der Nationalratspräsident fährt nach Israel

Wien - Elisabeth Pittermann darf fahren, Peter Sichrovsky darf nicht fahren. Susanne Riess-Passer darf fahren, aber nur ein Länderspiel anschauen. Nationalratspräsident Heinz Fischer wiederum darf nach Israel mit allen Ehren, und sagt es auch: Am Montag reist er mit Bundesratsvizepräsidentin Anna Elisabeth Haselbach zu einem viertägigen Besuch nach Jerusalem und in die Palästinensergebiete - auf Einladung seines Amtskollegen, des Knessetpräsidenten Avraham Burg.

Dabei hat der Besuch des Nationalratspräsidenten einerseits nichts mit jener zeitgleich stattfindenden Internationalen Konferenz jüdischer Minister und Parlamentarier zu tun, zu der zwar die Wiener Gesundheitsstadträtin Pittermann (SPÖ) eingeladen, dem EU-Abgeordneten Sichrovsky von der FPÖ die Teilnahme jedoch verwehrt wurde. "Das ist nicht mein Thema", sagte Fischer am Donnerstagabend in der israelischen Botschaft in Wien, wo er Geschäftsträger Avraham Toledo einen Höflichkeitsbesuch abstattete.

Andererseits sieht Fischer sehr wohl die Delikatesse seines Besuchs. "Wir sind schwierige Freunde", sagte er, befragt über den derzeitigen Zustand des österreichisch-israelischen Verhältnisses. Die schwarz-blaue Regierung verfolge aber mittlerweile eine Nahostpolitik, die sich an der EU orientiere. Das beinhalte auch den Standpunkt, so sagte Fischer mit Blick auf die Festsetzung von Palästinenserpräsident Yassir Arafat in Ramallah, "dass jede Seite das Recht hat zu bestimmen, wer sie vertritt". Den Palästinenserchef will Fischer am Dienstag treffen. Peter Sichrovsky aber muss zu Hause bleiben und bezeichnete jeden Aufritt eines SPÖ-Politikers im Ausland als "Risiko für die österreichische Demokratie".

(DerStandard,print-ausgabe,5.1.2002)
von Markus Bernath
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