Grünstrom als Verkaufsargument

4. Jänner 2002, 18:32
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Liberalisierung bringt den Ökostromanbietern neue Chancen

Wien - Mit der völligen Öffnung des Strommarktes per 1. Oktober haben Haushalte und Gewerbebetriebe beim Strom die Qual der Wahl. Der Wettbewerb findet aber nur beim reinen Energiepreis statt, während die Gebühren für die Durchleitung vom E-Werk bis zur Steckdose weiter amtlich geregelt sind. Gleiches gilt für Steuern und Abgaben.

Neben den angestammten Versorgern treten auch einige neue Anbieter an. So machen MyElectric, Raiffeisen Ware Wasserkraft (RWW) und switch den bisherigen Lieferanten Konkurrenz. Neu sind aber primär die Namen, hinter MyElectric sowie der RWW steht der Verbund, switch ist nur eine Marke der Energie Allianz aus Wien Energie, EVN sowie Energie AG Oberösterreich und Linz AG.

Mit der Liberalisierung des Marktes tritt bei vielen Kunden die Frage nach der Herkunft des Stromes in den Vordergrund. Besonders jene Erzeuger, die Strom nur aus erneuerbaren Energiequellen erzeugen oder zukaufen, sehen ihre große Stunde gekommen. Allerdings ist Ökostrom, den unter anderem Alpen-Adria-Energy und oekostrom AG vertreiben, teurer als konventionell erzeugter.

Nix mit Mix

In Deutschland beschäftigt die Frage der Herkunft des Stroms bereits die Gerichte. So wurde dem E.ON-Konzern vor Weihnachten eine Werbekampagne ("Mix it, Baby") untersagt. Die Aussage, man könne mitbestimmen, aus welcher Quelle Strom stamme, sei irreführend und habe mit der Realität nichts zu tun.

Zuvor war E.ON verboten worden, mit 100 Prozent Strom aus Wasserkraft zu werben. Diese Garantie erwecke bei einem erheblichen Teil der Kunden den Eindruck, sie seien in der Lage, dem Netz nur Ökostrom zu entnehmen. Aber Verbraucher, die mit der Physik wenig vertraut seien, würden nicht realisieren, dass die Aussage nicht so gemeint sein kann, hatte die Richter geurteilt. Denn der Wasserkraftstrom werde lediglich in das Stromnetz eingespeist. In dem befinde sich der übliche Energiemix. Im europäischen Schnitt werden 47 Prozent fossil erzeugt, 37 Prozent sind Atomenergie. (DerStandard, Print-Ausgabe, 5.1.2002)

von Clemens Rosenkranz
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    foto: derstandard.at
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