Erfolgsformel von morgen: E3+W

4. Jänner 2002, 18:53
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Eigeninitiative, Engagement und Energie, gepaart mit Wissen, erwarten Arbeitgeber von künftigen Managern. Die Zeit der Befehlsempfänger geht zu Ende.

Die Pisa-Studie hat die Bildungslandschaft in Unruhe versetzt. Die Studie der Boston Consulting Group mit dem Titel "Die Zukunft bilden", soeben als "Zwischenbericht" erschienen, gibt nun Orientierung.

Die weltweit agierende Beratungsfirma hat fünf Jahre lang 75 Unternehmen und Experten in Einzelinterviews befragt. Das Fazit ist eindeutig: "Die Schule soll stärker als heute die persönlichen Fähigkeiten ausbilden und sich nicht einseitig auf die Wissensvermittlung fokussieren", so Antonella Mei-Pochtler, BCG-Geschäftsführerin für Deutschland und Österreich.

Es ergeht "die Forderung an die Gymnasien nach der Ausbildung eines soliden Sockels an Allgemeinwissen ausreichender Breite und Tiefe".

Kluge Macher sind gefragt

Denn "die sich auflösenden Grenzen zwischen Wissensbereichen und Branchen verlangen zunehmend nach gestaltenden Mitarbeitern, die sich auf der Basis einer guten Grundausbildung schnell in einem neuen Umfeld zurechtfinden, fachübergreifend denken können und Aufgaben mit hoher persönlicher Souveränität lösen. Dies frühzeitig zu entwickeln ist eine vielschichtige Aufgabe, die nicht der Schule allein übertragen werden sollte, jedoch von dieser als zentralem Orchestrator organisiert werden muss." Als wichtigste persönliche Fähigkeiten für zukünftige Unternehmer gibt Mei-Pochtler an: "Eigeninitiative, strategisches und vernetztes Denken, Ergebnisorientierung, Überzeugungskraft." Die klugen Macher sind also gefragt. Die Zeit der Befehlsempfänger und Befehlsgeber geht zu Ende.

Bildung vor Ausbildung

"Die Manager der Zukunft sind gut beraten, vor ihre Ausbildung die Bildung zu setzen, um langfristig auch der Wirtschaft ein hohes Niveau zu verleihen", wie Daniel Goeudevert sagt. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Fordwerke berät heute den Generalsekretär der Unesco und erteilt der Bildungspolitikergläubigkeit an das Internet eine Absage. "Das Internet bewegt Daten, aber Daten sind keine Informationen. Und Informationen sind noch kein Wissen. Wissen aber muss verstanden werden - dies ist die Kette der Bildung. Somit sollten alle, die im Umfeld eines jungen Menschen stehen, diesen befähigen, aus den Daten verstandenes Wissen zu machen." Diese Aussagen decken sich mit den Erkenntnissen der Studie von Boston Consulting auf verblüffende Weise.

E3+W = Eigeninitiative, Engagement, Energie + Wissen

Es geht darum, Menschen für den Arbeitsmarkt vorzubereiten, indem Bildung denselben Stellenwert eingeräumt bekommt wie Ausbildung. Arbeitgeber aller Branchen setzen mehr und mehr E3+W voraus. Auf diese Formel bringen die Berichterstatter von Boston Consulting den neuen Erwartungsmix der Wirtschaft. E3 steht für Eigeninitiative, Engagement und Energie, W für Wissen. Auch strategisches Denken, unternehmerisches Handeln und Ergebnisorientierung stehen nach wie vor obenan, aber heute kommt es viel mehr darauf an, auch "connected" zu sein: Mit den richtigen Leuten über die eigenen Ideen nachzudenken, mit anderen die Strategieentwürfe abzuklopfen und Ergebniswerte realistisch anzusetzen.

Analytische Fähigkeiten müssen mit Soft Skills - Kooperationsfähigkeit, Beziehungsmanagement, Teamhandeln - einhergehen. Einsame Macher sind out. "Die Schulen sollten stärker Fähigkeiten trainieren, ohne die Wissensvermittlung aufzugeben", resümiert Antonella Mei-Pochtler. Und Daniel Goeudevert schlägt vor: "Wo Eltern und Lehrer überfordert sind, sollten sie eine Art Bündnis bilden, um zu klären, worin die Rolle des Kindes in der Welt heute besteht." Also nicht nur klagen, sondern aktiv werden, um die Bildung zu stärken.

Die Studie "Die Zukunft bilden. Eine gemeinsame Aufgabe für Schule und Wirtschaft" kann unter marketing.de@bcg.com angefordert werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe)

von Roland Mischke
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