Alte Zuordnungen wirken weiter

7. Jänner 2002, 11:43
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market-Studie: SPÖ steht für Arbeiter, ÖVP für Bauern - Welcher Partei wird Lebenslust zugetraut?

Die SPÖ steht für die Arbeiter, die ÖVP für die Bauern - diese traditionelle Zuordnung wird von den meisten Österreichern getroffen. Aber welcher Partei wird Lebenslust zugetraut? Und ist die FPÖ die Law-and-Order-Partei? Eine neue market-Studie birgt auch Überraschungen.

Linz - Wenn es um Umweltschutz geht, dann gibt es für die Österreicher eine ziemlich eindeutige Adresse: Man geht zu den Grünen. Nur drei Prozent verbinden mit Umweltschutz jene Partei, die immerhin seit 1987 den Umweltminister stellt - selbst die erklärten Anhänger der ÖVP denken nicht an die eigene Partei und den eigenen Minister.

Das geht aus einer im Spätherbst durchgeführten market-Umfrage für den STANDARD hervor. Dabei wurden 500 Österreicher gebeten, mehr als 60 Themen den vier Parlamentsparteien zuzuordnen.

Rot dominiert

Herausgekommen ist ein buntes Bild der politischen Landschaft - wobei Rot auch in der STANDARD-Grafik die dominierende Farbe ist. market-Chef Werner Beutelmeyer: "Die SPÖ ist mit derzeit rund 37 Prozent die stärkste Partei in Österreich. Man kann deutlich sehen, dass ihr vielfach die Themenführerschaft zugetraut wird, auch wenn das Profil nicht ganz so scharf ausgeprägt ist ist wie bei Grünen und ÖVP."

ÖVP - Partei der Kirche

So wie bei den Grünen zwei Umweltthemen hervorstechen, so wird die ÖVP nach wie vor als die Partei der Kirche und, nicht ganz so scharf, aber immerhin noch deutlich, als Bauern- und Unternehmerpartei wahrgenommen.

Hier gibt es auch im mehrjährigen Vergleich - die Untersuchung wurde bereits zum dritten Mal durchgeführt - kaum Verschiebungen. Beutelmeyer: "Alte, traditionelle Zuordnungen wirken da sehr stark weiter."

Lebenslust

Um diese traditionellen Muster zu hinterfragen, wurden in der market-Studie auch scheinbar politikferne Themen eingebaut: "Welche Partei steht für Lebenslust? Diese Frage lässt sich nicht so einfach in traditionelle Schemen zwängen, da müssen die Leute nach Gefühl antworten", erklärt Beutelmeyer. Die gefühlsmäßige Antwort fällt (übrigens genauso wie in den früheren Umfragewellen) zugunsten der Grünen aus: "Die Grünen werden auch nach mehr als 15 Jahren im Parlament als eine erfrischende, jugendliche und immer noch neue Kraft erlebt - und das wird eben mit Lebenslust assoziiert", sagt der market- Chef. Auch der großen Oppositionspartei wird Lebenslust zugetraut, bei den Regierungsparteien ist sie eher nicht daheim.

Lebensqualität

Ein im politischen Diskurs inzwischen weitgehend verschwundener Begriff, die Lebensqualität, wird ebenfalls vor allem den beiden Oppositionsparteien zugetraut - die ÖVP, die das Thema in den frühen Siebzigerjahren mit ihren vier "Plänen zur Lebensqualität" besetzt hatte, liegt da etwas, die FPÖ klar zurück.

Freunderlwirtschaft

Die Stärken der Freiheitlichen liegen weiterhin in jenen Bereichen, mit denen sie schon vor ihrem Regierungseintritt wahrgenommen wurden: Allerdings wurde ihnen damals noch stärker der Abbau von Freunderlwirtschaft zugetraut, nach Beobachtung ihrer Personalpolitik in den letzten zwei Jahren sind da offenbar manchen Befragten Zweifel gekommen.

Ein eindeutiger Punkt für die FPÖ ist der Komplex "Senkung der Kriminalität" und das Eintreten für "Recht und Ordnung" - dies wird allerdings zunehmend auch in Verbindung mit der Furcht vor Einschränkung der persönlichen Freiheit gesehen.

Auffallend ist nicht nur, dass es insgesamt nur sechs Themenfelder gibt, die "blau" besetzt sind - es ist umgekehrt auch bemerkenswert, wofür die Freiheitlichen nicht stehen: Das sind neben den eindeutig von anderen Parteien besetzten Themen Umwelt und Kirche die Anliegen der Beamten und der Ausländer. Nur jeder zehnte Befragte meint, dass die FPÖ für sozialen Frieden eintritt. Nicht einmal die FPÖ-Anhänger glauben, dass ihre Partei dafür stünde.

"Sozialer Friede"

"Sozialer Friede ist - wie praktisch alle Sozialthemen - ein klar der SPÖ zugeordneter Bereich", sagt Beutelmeyer.

Er betont, dass sich die der Sozialdemokratie zugeschriebenen Kompetenzen durch das Ausscheiden aus der Regierung insgesamt nicht so stark verschoben haben, wie man erwarten könnte - und dass umgekehrt die Kanzlerpartei ÖVP nur mühsam an Kompetenz gewinnen kann.

Lesen Sie am Montag, welches Bild die Österreicher von den Parteichefs haben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6. Jänner 2002)

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