Bargeldumstellung lässt Geldwäscherisiko steigen

4. Jänner 2002, 15:50
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PriceWaterhouseCoopers: "einmalige Gelegenheit" für Vermengung von sauberem und schmutzigen Geld

Wien - Ein beträchtliches Geldwäscherisiko bei der Euro-Bargeldumstellung ortet das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC): Die Einführung von mehr als 60 Milliarden Euro-Banknoten und Münzen stelle für Kriminelle eine "einmalige Gelegenheit" dar, Europas Wirtschafts- und Finanzsystem zu unterlaufen, heißt es in einer Pressemitteilung von Freitagnachmittag. Durch die Sicherungsmechanismen der Europäischen Zentralbank (EZB) würde zwar die Geldfälschung weitestgehend verhindert bzw. zumindest stark erschwert, potenzielle Geldwäscher jedoch kaum abgeschreckt, so Andrew Clark, Leiter der Abteilung zur Bekämpfung von Geldwäsche bei PwC.

Multinationale Banken sowie Klein- und Mittelbetriebe müssten sich der Gefahren, die innerhalb der Umtauschfristen durch die Geldwäsche lauern, bewusst werden. Die Umstellung von 12 europäischen Währungen auf den Euro biete Kriminellen auf der ganzen Welt die "einzigartige Gelegenheit, schmutziges mit sauberem Geld zu vermengen".

Großteil bereits im Vorfeld gewaschen

Als ein wesentliches Risiko sieht Dorotea Rebmann von PwC Österreich, dass der Großteil des Geldes bereits im Vorfeld der Umstellung durch den Kauf von teuren Waren "gewaschen" wird. Handelsunternehmen müssten daher besonders aufmerksam sein, da sie etwa im Gegensatz zu Finanzdienstleistern nicht der Auflage unterworfen sind, ihre Kunden kennen zu müssen.

Die Banken würden durch die gewaltige Mengen an Transaktionen während der Umtauschfrist ihren Anzeige- und Berichtspflichten nicht im üblichem Ausmaß nachkommen können, so PwC. Verschärft werden könnte dies noch durch das Wiederauftauchen von Geld, das zu Steuerumgehungszwecken gehortet worden sei.

Zudem werde der grenzüberschreitende Transport größerer Mengen an Bargeld dadurch erleichtert, dass der 500-Euro-Schein einen höheren Wert hat als die höchsten Banknoten von 11 der 12 Euroländer bisher hatten. PricewaterhouseCoopers weist außerdem darauf hin, dass sich laut dem aktuellen PwC European Fraud Survey weniger als 2 Prozent der Unternehmen als Opfer von Geldwäsche sehen würden. Dies lege den Schluss nahe, dass sich eine große Zahl von Unternehmen der Schwere der Bedrohung durch Geldwäsche noch nicht einmal bewusst sei. so PwC. (APA)

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