"Stromtausender bleibt eine Chimäre"

4. Jänner 2002, 19:25
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EnergieAllianz: Ersparnis ist viel geringer

Wien - Die Stromliberalisierung wird den Haushalten eine wesentlich geringere Senkung der Stromrechnung bescheren, als die Regierung vorgerechnet hat. Die von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein im Zuge der Marktöffnung prognostizierte Einsparung von 1000 Schilling (72,7 EURO) pro Jahr ist nicht erreichbar. "Für einen Durchschnittshaushalt werden es weniger als 500 Schilling sein. Solche Einsparungsziele sollte man nicht postulieren", so Paul Jankowitsch, der Vorstand der EnergieAllianz (EA).
In der Branche heißt es dazu, in den Genuss der vom Minister versprochenen Entlastung des Haushaltsbudgets würden die großen Verbraucher profitieren, also jene Strombezieher, die deutlich mehr als 3500 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr abnehmen. Mit beitragen zum Nichterreichen des postulierten Einsparungszieles würden die Zuschläge für Ökoenergie.

Die EnergieAllianz selbst sieht das größte Einsparungspotenzial bei den Gewerbe-, Klein- und Mittelbetrieben. Daher werde man sich verstärkt auf dieses Kundensegment konzentrieren. Nahezu ausgereizt sei der liberalisierungsbedingte Preisverfall dagegen in der Industrie.

Vom Trio zum Sextett

Die EnergieAllianz besteht derzeit aus EVN, Wien Energie und der Linz AG. Hinein sollen auch die burgenländischen Bewag und Begas, wobei die Entscheidung über den Bewag-Beitritt nach wie vor in Schwebe ist. Fix ist, dass die Energie AG Oberösterreich dazustoßen wird, allerdings müsse man noch auf das grüne Licht der Kartellbehörden warten.

Für EA-Vorstand Eduard Uhl steht der reine Energiepreis überhaupt nicht mehr im Mittelpunkt. "Der Preis tritt in den Hintergrund. Das austauschbare Produkt Primärenergie ist vielmehr Eintrittshilfe zum Kunden für komplexere Dienstleistungen."

Standorte optimieren

Die EnergieAllianz biete daher auch Standortoptimierungen für Kettenkunden an, wie das Energiemanagement für die in den Billa-Supermärkten aufgestellten Kühltruhen. Dazu entwickle man auch maßgeschneiderte Softwarelösungen, erklärte der Stromchef. Man wolle vom Energielieferanten zum Partner mutieren, sagte Uhl.

Bei manchen Abnehmern habe das Umdenken bereits eingesetzt: Einige Großkunden, die bereits seit mehr als zwei Jahren ihren Versorger frei wählen konnten und aus Preisgründen gewechselt hätten, seien im Vorjahr wieder zur Allianz zurückgekehrt.

Neben dem Strom wird die EA mit der totalen Liberalisierung im Oktober auch das Gasgeschäft ausbauen. Dabei sei eine Aufgabenteilung nach Kundensegmenten geplant. Während die Großkunden von dem geplanten Gemeinschaftsunternehmen mit der OMV betreut werden sollen, werde die Allianz bei Haushalten und Gewerbe angasen, so das Vorstandsduo. (rose, DER STANDARD, Printausgabe 5.1.2001)

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