Warum Merkel gegen Schröder ran soll

4. Jänner 2002, 18:41
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Merkel-Fans meinen, die CDU-Chefin könne "weit über unsere Stammwählerschaft hinaus Menschen anziehen"

Hannover - In der deutschen Diskussion über den Kanzlerkandidaten der Unionsparteien CDU und CSU haben sich am Freitag Anhänger von CDU-Chefin Angela Merkel zu Wort gemeldet. Der niedersächsische Bundestagsabgeordnete Hermann Kues plädierte im Gespräch mit der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe) klar für die Aufstellung der Parteivorsitzenden als Herausforderin von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Im selben Sinne äußerte sich die Sprecherin der sogenannten Jungen Gruppe in der CDU/CSU-Fraktion, Ulla Heinen, in der "Kölnischen/Bonner Rundschau".

Kues sagte in dem Zeitungsinterview: "Merkel kann weit über unsere Stammwählerschaft hinaus Menschen anziehen." Ihre Kandidatur wäre nach Auffassung des aus dem Emsland stammenden CDU-Abgeordneten "eine Herausforderung an jede Wählerin, die bisher andere Parteien gewählt hat oder gar nicht zur Wahl gegangen ist".

Außerdem würde ein Antreten Merkels die Aussichten der Union in Nord- und in Ostdeutschland verbessern, fügte Kues hinzu. Ohne Zugewinn in diesen Regionen aber sei aber bei aller Stärke im Süden ein Bundestagswahlsieg der Union nicht denkbar. Kues sagte, er könne nicht verstehen, "dass manche so tun, als sei die Sache zu Gunsten Edmund Stoibers entscheiden".

Die Stimme der Frau

Ähnlich argumentierte die nordrhein-westfälische CDU-Bundestagsabgeordnete Heinen. Sie erinnerte daran, dass die Unionsparteien 1998 das schlechteste Wahlergebnis seit 1949 hinnehmen mussten. "Wir brauchen diesmal vor allem bei den Gruppen mehr Zustimmung, die wir beim letzten Mal weitgehend verloren haben: beispielsweise bei den Frauen", sagte die Sprecherin der jungen CDU-Parlamentarier. Deshalb sei sie überzeugt, dass Merkel die richtige Kandidatrin sei, sagte Heinen.

Der Wahlkampf sei nur erfolgreich zu führen, wenn die Union eine "konsequente Politik der Mitte" verfolge. Diesen Kurs hält Heinen aber mit dem CSU-Vorsitzenden Stoiber als Kanzlerkandidaten nicht für vermittelbar. Der bayerische Ministerpräsident stehe für wichtige und richtige Themen wie die innere Sicherheit, aber er hätte es ungleich schwerer, Wähler der Mitte, zum Beispiel junge Frauen, für sein Politikkonzept zu gewinnen, argumentierte sie weiter.

Heinen wandte sich zugleich gegen eine Entscheidung der Bundestagsfraktion über den Kanzlerkandidaten. Wenn Merkel und Stoiber sich nicht auf einen gemeinsamen Vorschlag verständigen könnten, wäre es der fairste Weg, wenn sich die beiden Parteipräsidien von CDU und CSU zusammensetzten und entschieden, sagte sie. (APA/AP)

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