Skifahrer haften bei nicht fachmännisch eingestellte Bindungen

4. Jänner 2002, 13:45
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Auch neue Ski ohne Serviceüberprüfung befreien nicht vor teuren Schadenszahlung

Wien - Bevor man sich in den wohlverdienten Winterlaub begibt, sollten Skiläufer von einem Fachmann die Einstellung ihrer Bindung überprüfen lassen. Jahr für Jahr wiederholen Sportartikelhändler und Unfallmediziner gleichermaßen diesen Ratschlag. Dass darauf nicht "gepfiffen" werden sollte, bekam ein Urlauber zu spüren, den ein Skitag in Wagrain teurer zu stehen kam als erwartet. Dabei war gar nicht viel passiert.

Der Mann - ein geübter Skifahrer - bewältigte in gekonnter Manier den so genannten Jandl-Steilhang. Als er im Flachen neben seiner Freundin stehen bleiben wollte, öffnete sich für ihn überraschend die Bindung des linken Skis. Anstatt sich für einen "Notsturz" zu entscheiden, versuchte er das Gleichgewicht zu halten und mit dem verbliebenen Ski abzubremsen. Dabei geriet er in Rücklage und rutschte in eine auf einer Geländekuppe stehende Personengruppe.

Eine Skifahrerin kam dabei zu Sturz und erlitt Prellungen am ganzen Körper. Sie verklagte den Mann auf Schmerzensgeld, weil er es ihrer Meinung nach an der "nötigen Aufmerksamkeit" fehlen habe lassen.

Zwar ließ sich nicht mehr klären, ob der Mann - wie die Verletzte behauptete - tatsächlich zu schnell unterwegs gewesen war und den nötigen Sicherheitsabstand nicht eingehalten hatte. Dennoch verurteilte ihn der Oberste Gerichtshof (OGH) dazu, der Frau ein Schmerzengeld in Höhe von 30.000 Schilling (2.180 Euro) zu zahlen. Grund: Der Skifahrer hätte nachweisen müssen, dass er einen Fachmann mit der Einstellung seiner Bindung auf Grund korrekter Angaben über sein Fahrkönnen betraut hatte. Da sich die näheren Umstände des Skikaufs und der Bindungseinstellung aber nicht mehr nachvollziehen ließen, misslang ihm dieser Beweis.

Sorgfaltspflichten

Die Rechtsprechung orientiert sich bei Skiunfällen an den in den FIS-Verhaltensregeln normierten Sorgfaltspflichten. Demnach muss jeder alpine Skiläufer Sorge dafür tragen, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt. Zu berücksichtigen ist dabei nicht nur das Verhalten auf der Piste: Auch die Folgen einer mangelhaften Ausrüstung werden einem im Fall des Falles angelastet.

Auch neue Ski ohne Serviceüberprüfung befreien vor keiner Schadenszahlung

Der OGH ging in der gegenständlichen Causa davon aus, dass sich der Skifahrer einzig und allein deshalb unfreiwillig von seinem linken Ski "befreite", weil er auf ein umfassendes Service vor Inbetriebnahme seines Sportgerätes verzichtet hatte. Sein Einwand, er habe die Ski doch erst vor Saisonbeginn gekauft und bisher habe ja alles fehlerfrei funktioniert, beeindruckte wenig.

"Die Fehlauslösung der Bindung ist dem Beklagten als Verschulden anzulasten. Das reicht bereits für die Bejahung von dessen Schadenersatzhaftung aus. Es stellt sich daher nicht mehr die Frage, ob der Beklagte auch verpflichtet gewesen wäre, den Versuch zu unternehmen, einen Zusammenstoß mit der Klägerin durch die Einleitung eines Notsturzes zu vermeiden", stellte der OGH in seinem Erkenntnis fest. (APA)

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