Ortstafelkonflikt ist out - sogar in Kärnten

4. Jänner 2002, 14:51
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Umfrage: Mehrheit hält Streit für "nicht zeitgemäß"

Klagenfurt - Die Mehrheit der Kärntner Bevölkerung findet den aktuellen Streit um zweisprachige Ortstafeln "im vereinten Europa nicht zeitgemäß". Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Klagenfurter Humaninstitutes nach dem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes (VfGH), mit dem Teile des Volksgruppengesetzes 1996 und der Topographie-Verordnung 1997 aufgehoben wurden.

Auf die Frage, ob der aktuelle Streit zeitgemäß sei, antworteten 56 Prozent mit "nein", 23 Prozent bejahten die Frage und 21 Prozent hatten dazu keine Meinung. Kärnten-weit wurden 460 nach dem Quotaverfahren ausgewählte Personen und zusätzlich 45 Meinungsbildner aus Medien, Wirtschaft und Politik befragt.

SPÖ am reifsten

Die Frage, welche Partei die Sachen Ortstafelkonflikt die "reifste politische Linie" habe, beantworteten 47 Prozent mit SPÖ, 38 Prozent mit FPÖ und 15 Prozent mit ÖVP.

81 Prozent der Befragten gaben an, dass der Artikel 7 des Staatsvertrages in Kärnten schon längst erfüllt sei. 78 Prozent sind der Meinung, dass sich weder Wien noch Laibach (Ljubljana) in Kärntner Fragen einmischen sollten. 59 Prozent plädieren dafür, dass der Runde Tisch fortgesetzt werden solle.

Kärnten hat sich weiterentwickelt

Auf die Frage, wie weit Ortstafeln für die Identität des Landes Kärnten stünden, erklärten 82 Prozent, dass mit der Ortsbezeichznung ein "unmittelbares Heimatempfinden" verbunden sei. Für 72 Prozent sind Ortstafeln auch ein "Symbol für Grenzen, die nicht überschritten werden sollen".

91 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass der Ortstafelkonflikt ein "treffsicheres Thema ist, um die Bevölkerung zu emotionalisieren und für eigene politische Ziele zu mobilisieren".

"Historisch hat sich Kärnten in Sachen Ortstafeln weiter entwickelt", zieht der Leiter des Humaninstitutes, Franz Witzeling, ein Resümee. "Die zarte Pflanze kann nur durch demokratische Reife stabilisiert werden."

FPÖ nimmt Umfrage "nicht ernst"

Seitens der FPÖ-Kärnten wird die vom Klagenfurter Humaninstitut veröffentlichte Umfrage zu den Ortstafeln "nicht ernst" genommen. Die Reaktionen in der Bevölkerung seien vollkommen andere, stellte Parteiobmann Martin Strutz fest. Darüber hinaus sei es unglaubwürdig von einer "reifen Linie der SPÖ" zu sprechen, weil "gerade die SPÖ in der Ortstafelfrage keine Linie" habe. (APA)

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