Grasser: Nächste Woche bereits 90 Prozent Euro- Transaktionen

4. Jänner 2002, 17:01
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Abschied vom Schilling geht schneller als erwartet

Wien - Die komplette Umstellung des Bargeldumlaufs vom Schilling auf den Euro geht in Österreich rascher als erwartet voran: "Bereits in der nächsten Woche werden 90 Prozent aller Transaktionen in der neuen Währung abgewickelt," sagte Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien. Zusammen mit dem Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Klaus Liebscher, sowie dem für die Währungsumstellung verantwortlichen OeNB-Direktor, Wolfgang Duchatczek, zeigte sich der Finanzminister überaus zufrieden mit der "exzellent verlaufenen Umstellung". Grasser zeigte sich zuversichtlich, dass "der Euro sehr rasch zum neuen Schilling bei uns werden wird".

"Problemlos eingesetzt"

Bereits am Donnerstag, den 2. Jänner, fand laut Liebscher 50 Prozent des heimischen Bargeldumlaufs in Euro statt. Die neue Währung werde im täglichen Zahlungsverkehr problemlos eingesetzt. Sehr zufrieden äußerte sich Liebscher auch mit der Tatsache, dass nur noch eine Minderheit der Österreicher größere Schwierigkeiten mit den neuen Scheinen und Münzen habe: 75 Prozent der über 65-Jährigen fänden sich nach einer aktuellen Umfrage sehr gut oder zumindest einigermaßen mit den neuen Münzen und Scheinen zurecht, bei den Unter-29-Jährigen liegt dieser Wert sogar bei 87 Prozent.

Schilling-Rücklauf läuft auch Hochtouren

Der Rücklauf der Schilling-Münzen und -Scheine durch die Oesterreichiche Nationalbank (OeNB) bzw. durch ihre Tochter Geldservice Austria (GSA) läuft auf Hochtouren. Bis zum Freitag, dem vierten Tag mit dem Euro, wurden rund ein Drittel der Münzen und rund 20 Prozent der Banknoten eingezogen. Der für die Euro-Umstellung verantwortliche OeNB-Direktor Wolfgang Duchatczek rechnet mit einem Gesamtrücklauf von 50 Prozent der insgesamt 6 Mrd. Schilling- und Groschenmünzen, von denen rund die Hälfte auf 10-Groschen-Stücke entfallen. Von den Banknoten sollten praktisch alle 440 Mill. Stück zurückkommen.

Dank der guten Bewachung durch die Exekutive sei es bisher noch zu keinen Übergriffen auf die Werttransporte gekommen - "meines Wissens nach ist Österreich das einzige Land, in dem das noch nicht vorgekommen ist", sagte Duchatzcek.

Andrang auf Nationalbank hält an

Der überaus rege Andrang an die Schalter der Nationalbank, die als einziges Institut in Österreich den Umtausch von Fremdwährungen gebührenfrei abwickelt, hält unterdessen an. Bisher habe die OeNB mehr als 336.000 Valutentransaktionen im Gegenwert von mehr als 4,7 Mrd. S (342 Mill. Euro) abgewickelt. Der OeNB-Gouverneur mahnte in diesem Zusammenhang zur Gelassenheit. Dass der Andrang auch auf die irrige Annahme zurückgehen könnte, dass der Schilling möglichst rasch umgetauscht werden müsse, glaubt er nicht. In Österreich gilt ebenso wie in den übrigen Euro-Ländern eine Übergangsfrist bis Ende Februar. Auch in Deutschland wird die DM de facto noch bis Ende Februar akzeptiert. Die Menschen wollten bei dem großen Ansturm einfach dabei sein. "Der Euro ist ein Hit", brachte es Finanzminister Grasser auf den Punkt. OeNB-Direktor Duchatczek sagte, er verkneife sich das Wortspiel "der Euro ist ein Freuro".

"Blüten in Fremdwährungen"

Getrübt werden könnte die Freude aber durch "Blüten" insbesondere in Fremdwährungen: Derzeit seien vor allem falsche DM und Lire-Scheine in hoher Qualität in Umlauf. Die Nationalbank rät daher Personen, die häufig mit Fremdwährungen in Kontakt kommen, zu besonderer Vorsicht. (APA)

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