Verbund einigt sich mit E.ON über European Hydro Power

4. Jänner 2002, 13:22
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Größter Wasserkraftkonzern der EU entsteht

Wien - Der Sprecher des Verbundkonzerns, Gerald Schulze, bestätigte heute Freitag gegenüber der APA die Einigung mit dem deutschen Energiekonzern E.ON bezüglich des Gemeinschaftsunternehmens European Hydro Power (EHP). Die Österreichische Elektrizitätswirtschafts AG (Verbund) werde in das Joint-Venture die Austrian Hydro Power AG mit all ihren Wasserkraftwerken einbringen, der deutsche Partner die E.ON Wasserkraft GmbH mit ihren Wasserkraftkapazitäten. Die Beteiligungsverhältnisse wurden mit 63 Prozent Verbund und 37 Prozent E.ON festgesetzt. Es entsteht der größte reine Wasserkraftkonzern in der EU, mit einer Produktionskapazität von 35.000 Gigawattstunden (GWh), wovon 22.500 GWh aus österreichischer Produktion stammen. Die französische EdF erzeugt mehr Wasserkraft, nutzt jedoch auch andere Energiequellen.

Geld fließt nicht

Geld wird im Zusammenhang mit der Gründung des Joint-Ventures keines fließen, sagte Schulze, der auf die Schuldenfreiheit der E.ON Wasserkraft hinwies, was bei den österreichischen Wasserkraftwerken keineswegs der Fall sei. Zu erwarten sei eine Reihe von Synergien, durch die Zusammenlegung von Verwaltungsbereichen und der Kraftwerksführung sowie die stärkere Marktstellung. Vorteilhaft sei, dass die Wasserkraftwerke der EHP regional nahe beieinanderliegen.

Die Zentrale der EHP, die als GmbH nach österreichischem Recht gegründet wird, wird aller Wahrscheinlichkeit nach in Salzburg angesiedelt, wo sich EHP eine Standortförderung erhofft. In der Zentrale und an einigen Standorten werde der Großteil der insgesamt 2.500 Mitarbeiter der EHP angesiedelt sein.

Die EHP werde eine reine Produktionsgesellschaft sein, die die erzeugte Energie zu Marktpreisen an den Verbund und E.ON verkauft. "Die frühere Preispolitik von Erstattungspreisen zu Vollkosten wird es nicht mehr geben", so Schulze.

Kartellrechtliche Regelung für Österreich noch offen

Kartellrechtliche Anmeldungen seien für EHP in Deutschland, Österreich und bei der EU erfolgt. In Deutschland sei gar nicht erst ein Kartellverfahren eingeleitet worden, offen seien die Genehmigungen daher noch in Österreich und bei der EU. Wie lang diese brauchen werden, sei derzeit nicht absehbar, "wir hoffen, dass es rasch geht", sagte Schulze. Kartellrechtliche Bedenken der EU Wettbewerbsbehörde seien nicht zu erwarten, da EHP in Europa keine marktbeherrschende Stellung erlange.

Ursprünglich war eine E.ON-Beteiligungsquote von 40 Prozent an EHP berichtet worden. Die Veröffentlichung im Juli des Vorjahres sei zu früh herausgekommen, da Aufsichtsratskreise und Betriebsräte in Deutschland damit an die Öffentlichkeit gegangen seien. Damals seien die Wertverhältnisse für das Joint-Venture noch nicht genau durchgerechnet gewesen, sagte Schulze. (APA)

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