Maiskolben als Ölbindemittel

4. Jänner 2002, 11:00
posten

Maisreststoffe fallen in großen Mengen an - Forschungsprojekt prüft Verwertbarkeit

Wien/Feldbach - Wer jemals eine Maiskolbenpfeife geraucht hat, konnte sich von der erstaunlichen Widerstandsfähigkeit der Maisspindeln gegenüber großer Hitze überzeugen. Doch das Material hat auch noch andere interessante Eigenschaften. Im Forschungsvorhaben "Gewinnung von adsorptiven Produkten aus Maisreststoffen" untersuchen Wissenschafter der "Steirisches Vulkanland Regionalentwicklung GmbH" in Feldbach die Ölbindeeigenschaften des Materials. Das Projekt wird im Rahmen des Forschungsförderungsprogramms "Fabrik der Zukunft" vom Infrastrukturministerium (BMVIT) gefördert.

Leere Maisspindeln fallen in Österreich etwa bei der Futtermittelherstellung in großen Mengen an. Die Maiskörner werden verfüttert, die übrig bleibenden Kolben zur Zeit meist gehäckselt und dann eingeackert. Der positive Effekt für den Boden hat sich jedoch nach Angaben der Forscher als nicht so groß herausgestellt, daher seien andere Verwertungsmöglichkeiten für das Material überlegenswert.

Auswertung

Die adsorptiven Eigenschaften der Maiskolbenreste - etwa für Öl - sind bereits bekannt. In einer ersten Entwicklungsphase werden die vorliegenden Erfahrungen auf dem Gebiet der Herstellung von Maiskolbengranulat ausgewertet und etwaige Patentansprüche durchleuchtet. Weiters sollen die Planungen für eine Maiskolben-Aufbereitungsanlage in die Errichtung einer so genannten Technikumsanlage münden.

In Zusammenarbeit mit Experten etwa von der Feuerwehr soll dann geklärt werden, wie das Pflanzenmaterial für den jeweiligen Einsatz als Ölbindemittel optimal verarbeitet werden muss. So können beim Mahlen der Spindeln zu einem Pulver verschiedene Korngrößen eingestellt werden. Je nach Einsatzgebiet - etwa auf dem Wasser oder auf festen Untergründen - wird eine andere Körnung gefragt sein. Auch ein Einsatz des Maisrestemehls als Tierhygiene-Material (z. B. Katzenstreu) wird geprüft. Hier geht es letztendlich um die Adsorptionsfähigkeit für Geruchsstoffe.

Unbedenklich für die Umwelt

Die Hauptvorteile der Maisreststoffe sind, dass sie in Österreich in großen Mengen anfallen und dass sie für die Umwelt unbedenklich sind. Etwa bei chemischen Ölbindemitteln ist dies in der Regel nicht der Fall. Seitens der Forscher ist man überzeugt, dass Maisprodukte preislich mit Konkurrenzprodukten mithalten werden können, da schon das Ausgangsmaterial relativ günstig ist.

Die Programmlinie "Fabrik der Zukunft" läuft im Rahmen des Impulsprogramms "Nachhaltig Wirtschaften". 2001 und 2002 stehen für Projekte, die den Weg zur "Fabrik der Zukunft" ebnen sollen, jeweils 35 Mill. S (2,54 Mill. Euro) zur Verfügung. (APA)

Share if you care.