Die "Heiligen drei Könige" waren Astrologen

4. Jänner 2002, 20:29
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Ihre Namen dürften frei erfunden sein

Klagenfurt - Der 6. Jänner hat in der katholischen Kirche eine zweifache Bedeutung: Von der Westkirche wird Epiphanie, das Hochfest Erscheinung des Herrn, gefeiert. Landläufig ist vom Fest der "Heiligen drei Könige" die Rede. Mit ihm endet die Weihnachtszeit. Für die Ostkirche ist der Tag das ursprüngliche Geburtsfest Jesu.

Das griechische Wort Epiphaneia bezeichnet die sichtbare Erscheinung eines Gottes und den Besuch eines als Gott verehrten Herrschers. Die Wurzeln des Festes liegen in Ägypten. In Alexandria beging man am 6. Jänner den Geburtstag des Gottes der Zeit und Ewigkeit, Äon. Um 300 feierte eine gnostische Gemeinschaft an diesem Tag das Fest der Taufe (der eigentlichen Geburt) Jesu.

Die Gesamtkirche reagierte darauf, indem sie ihr Epiphanie-Fest auf den 6. Jänner verlegte. Sie hat das Element des - aus dem Nil geschöpften - Wassers und der Taufe anders interpretiert. Die Christen erinnerten sich der Hochzeit in Kana, wo Jesus Wasser in Wein verwandelte, und der Taufe Jesu. Im Osten wurde der Epiphanie-Tag zu einem wichtigen Tauftermin. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts erfolgte eine gegenseitige Übernahme des östlichen und des westlichen Geburtsfestes. Die Verbindung zum Wasser lebt im Dreikönigswasser weiter.

Persische Priesterkaste

Die heiligen drei Könige waren nach dem biblischen Bericht weder drei noch Könige und schon gar nicht Heilige. Es handelt sich um Angehörige einer persischen Priesterkaste, die sich mit Sternenkunde befassten, und Astrologen, wie sie damals als Berater von Fürsten, Königen und reichen Leuten wirkten. Die Namen Caspar, Melchior und Balthasar erhielten sie im 9. Jahrhundert, sie dürften frei erfunden sein.

Das Sternsingen als Nachspielen des Besuchs der Magier beim Jesuskind ist seit dem 10. Jahrhundert in den Kathedralen üblich. In Österreich ist das Sternsingen seit 1954 fest in der Hand der Katholischen Jungschar. "Erfinder" der Dreikönigsaktion ist der Gründer und langjährige Leiter der Österreichischen Missionsverkehrs-Arbeitsgemeinschaft, Karl Kumpfmüller. Er schlug der Jungschar vor, den Sternsingerbrauch zu beleben, um aus den Spenden Fahrzeuge für die Missionare anzuschaffen.

Weitere Bräuche

Mit dem Dreikönigstag ist weiteres Brauchtum verbunden. Im Oberkärntner Heiligenblut beispielsweise rotten sich die Sternsinger am Vorabend zusammen und besuchen eine Nacht lang jeden noch so entlegenen Hof und jedes Haus. Im Gepäck führen sie geweihtes Kerzenlicht, einen kunstvollen beweglichen Stern, Klarinette, Flügel- und Basshorn sowie 14 Strophen eines alten überlieferten Liedes mit.

Im Kärntner Rosental wiederum wird von 5. auf 6. Jänner die zwölfte und letzte der "heiligen Nächte" gefeiert. Im Mittelpunkt stehen jedoch nicht die drei Weisen aus dem Morgenland, sondern die Hexe Baba. Sie stammt aus dem Slowenischen, kommt zu den Kindern und beschenkt brave Mädchen und Buben mit Äpfeln. (APA)

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