Tirol: Bergisel lockt mit Raffinesse

3. Jänner 2002, 21:33
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Anrainer wollen Widmung als Freizeitgelände bekämpfen

Innsbruck -Tirols "Olymp" ist ein Magnet. Nicht erst jetzt im wieder erwachenden sportlichen Trubel vor dem heutigen Bergisel-Springen, sogar als große Baugrube zeigte der Heldenberg seine Anziehungskraft - ein Fotomotiv vor allem für asiatische Touristen, die hier zwischen Arbeitern und Baggern verloren wirken.

Es wird voraussichtlich bis Juni dauern, bis das Gerüst am Turm entfernt und dahinter die neue Attraktion sichtbar und zugänglich sein wird: Ein Panoramacafé am Turmkopf für 100 Gäste. Ein Blickfang, der anlocken soll, auch wegen seiner architektonischen Raffinesse.

Integration von Schanzenturm und der seitlich angebrachten Absprungrampe

Das Projekt der in London lebenden iranischen Architektin Zaha M. Hadid hatte die Jury vor allem wegen der auffälligen Integration von Schanzenturm und der seitlich angebrachten Absprungrampe überzeugt. Diese wächst gewissermaßen aus der Außenwand des Turmes heraus. Die Wand des Turmes verformt sich aus der Senkrechten durch eine nach unten verlaufende Drehung zum waagrechten Anlauf, schlängelt sich abfallend um den Turm herum: "Ein besonders gelungener Schwung, der das Motiv des Springens mit aufnimmt", befanden die Juroren.

So bestechend die Architektur, so diffizil die Ausführung: "Statisch ist es eine Herausforderung", bekennt Projektmanager Georg Malojer. Der ohne Zwischenstützen hängende Anlauf und das Café würden den Turm durch zwei in verschiedene Richtungen strebende Zugkräfte belasten. Aufwendige Stahlverstrebungen müssen im Turminneren für das Gleichgewicht sorgen.

12,35 Millionen Euro (170 Mio. S) kostet Innsbrucks neues Wahrzeichen, das zu je einem Drittel von Bund, Land und Stadt finanziert und von der Austria-Ski-Veranstaltungs-GesmbH, einer Tochter des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), betrieben wird.

Streit bis zum OGH

Die Nutzung des Stadions bleibt aber umstritten. Die in der Interessengemeinschaft Bergisel vereinten Anrainer kämpfen immer noch für eine Rückwidmung der in ein "Sport- und Freizeitgelände" umfunktionierten Sportstätte. Der ÖSV scheint für das Ansinnen der Anrainer offen zu sein, beide Seiten bestätigen sich ein "gutes Gesprächsklima". Dass aber auch "die Stadt eine Rückwidmung will", kann der Sprecher der IG Bergisel, Peter Ausserladscheider, "bisher nicht erkennen". Das Verfassungsgericht gilt ihnen als letzter Ausweg. (Benedikt Sauer, DER STANDARD Print-Ausgabe 4.1.2002)

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