Ortstafeln: Laibach und Pontafel - von Samo Kobenter

3. Jänner 2002, 20:06
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Manchmal macht man instinktiv die Zeit für die Fortsetzung menschlicher Dummheit verantwortlich, weil man Ersterer aus einem physikalischen Missverständnis heraus Unendlichkeit zubilligt, von Letzterer aber annimmt, ihr wären Grenzen gesetzt. Diesem Trugschluss folgend, hätte man meinen können, das letzte Kapitel des "Ortstafelstreits" wäre mit dem alten Jahr zu Ende gegangen, doch nein: Es wird im neuen fortgesetzt. Und das verdanken wir allein Jörg Haider.

Den hat das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes, in Kärntner Gemeinden mit mehr als zehn Prozent slowenischsprechender Bevölkerung seien zweisprachige Ortstafeln anzubringen, so in Rage versetzt, dass er aus Slowenien kommenden Besuchern den deutschen Weg nach Hause weisen und auf die Straßenschilder Laibach statt Ljubljana malen lassen will. Ein bestechender Gedanke im großen Europa und ausbaufähig: Demnächst werden die Kärntner zum Kauf italienischer Schuhe nicht nach Pontebba, sondern nach Pontafel aufbrechen.

Wollte man in solchen Aktionen nach einem Rest an politischem Ernst suchen, man müsste auf internationales Recht pochen, das Haider freilich so wurst ist wie nationales. Ihn ficht weder an, dass die EU-Verkehrsminister eindeutige Regeln für die Hinweistafeln ausgegeben haben, noch eine zur unanständigen Gewohnheit gewordene Kompetenzanmaßung: Für die Schilder auf Bundesstraßen und Autobahnen ist eigentlich seine Parteikollegin Monika Forstinger verantwortlich.

Doch vielleicht hat der Oberösterreicher Haider bloß aus verdrängter Furcht gehandelt. Gleich links nach der Ortstafel von Feistritz im Rosental geht es ins Bärental, und wer weiß, wo Haider rausgekommen wäre, hätte er von Bistrica v Rozu in sein Erbtal abbiegen müssen.

(DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2002)
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