Höhere Beiträge kein Tabu

3. Jänner 2002, 19:51
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Patientenumfrage: Mehrheit befürwortet das Finanzierungselement

Hohe Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem, aber auch wachsendes Bewusstsein über die Finanzierungsproblematik: Das sind zwei zentrale Ergebnisse einer repräsentativen OGM-Umfrage zur Finanzierung des Gesundheitssystems. Im Auftrag der Ärztekammer Wien wurden 501 Wiener über die Gesundheitsversorgung in der Bundeshauptstadt befragt.

Demnach sind mehr als 61 Prozent der Wiener mit der medizinischen Versorgung "sehr zufrieden", berichtete OGM-Studienleiter Wolfgang Bachmayer Donnerstag. Vor zehn Monaten waren es noch 65 Prozent. Wiens Ärztekammerpräsident Walter Dorner führte die gesunkene Patientenzufriedenheit auf die "vielen unsolidarischen Maßnahmen der Regierung und des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger" zurück. Etwa die Ambulanzgebühr, die aber ohne jeglichen Lenkungseffekt geblieben sei, so Dorner. Er forderte "patientengerechte Lösungen für die Finanzierungsproblematik".

Mix aus Finanzierungsalternativen

Diese ist den Befragten zwischen Februar und Dezember 2001 nachhaltig bewusst geworden. Nur noch drei Prozent lehnen zusätzliche Finanzierungsquellen für das Gesundheitssystem ab. Ginge es nach den Befragten, präferierten sie einen Mix aus verschiedenen Finanzierungsalternativen. Bevorzugt wären höhere Beiträge für Risikogruppen (Alkohol, Tabak, Übergewicht), gefolgt von Beitragserhöhungen.

Konkret gefragt, wie sie zu einer Beitragserhöhung in der Krankenversicherung um ein halbes Prozent (rund 9,45 EURO oder 130 Schilling monatlich für einen Durchschnittsverdiener) stehen, stimmten mehr als zwei Drittel zu. Gleich 83 Prozent sprachen sich für zweckgebundene Steuern auf Alkohol und Tabak aus. Schließlich waren zwei Drittel der Befragten für die Verdoppelung der Höchstbemessungsgrundlage auf 6395,21 Euro, die die Besserverdienenden stärker zu Kasse bitten würde.

Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (FP) wies Beitragserhöhungen als "unsolidarisch" zurück. (nim)

(DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2002)
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