Gesundheitsökonom Christian Köck: "Noch viel Speck im System"

3. Jänner 2002, 19:49
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Standard: Was halten Sie von der neuerlichen Diskussion über höhere Gesundheitsbeiträge?

Köck: Die Frage ist: Wollen wir das Volumen weiter aufblähen durch Beitragserhöhungen - das wäre natürlich im Interesse derer, die davon Einkommen beziehen, der Ärzte, aber auch vieler anderer. Oder wollen wir die Ineffizienzen angehen, die es hier wie in jedem anderen, öffentlich subventionierten Bereich gibt.

Standard: Zum Beispiel?

Köck: Die vielen Leistungen, die überflüssig sind.

Standard: Die da wären?

Köck: Doppeluntersuchungen, zum Beispiel. Bevor jemand ins Krankenhaus kommt, wird er beim niedergelassenen und beim Facharzt untersucht.

Oder die nutzlosen Eingriffe: Nach internationalen Studien werden 15 bis 35 Prozent überfüssige Bypass-Operationen durchgeführt.

Standard: Warum wollen auch die Patienten nicht darüber reden?

Köck: Weil die etablierten Lobbies es gut schaffen, dass die Frage nach den Leistungen hintangestellt wird und nur über die Kosten geredet wird.

Standard: Aber verursachen moderne Therapien nicht wirklich steigende Kosten?

Köck: Ich bin sicher, dass dass da noch viel Speck im System drin ist, Leistungen, die keinem Patienten einen Nutzen bringen. (rosch)

(DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2002)
Christian Köck ist Gesundheitsökonom an der Harvard-Universität und Unternehmensberater in Wien.
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