"Öko-Strom wird verschenkt"

4. Jänner 2002, 13:59
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Umweltorganisationen kritisieren Ausverkauf der Wasserkraft

Wien - "Österreich verscherbelt billig österreichischen Strom aus Wasserkraft ins Ausland - damit ist der Verbund inzwischen ein Big Player auf dem europäischen Markt geworden, weil in Deutschland viele Kunden auf Öko-Strom umsteigen wollen," skizziert Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umwelt-Dachverbands die Energie-Situation. Die Kehrseite: "Atomstrom ist zu billig, weil die Betreiber für allfällige Folgeschäden nicht haften. Daher fließt dieser Billig- Strom auf unseren Strommarkt".

Österreich "verschenkt" so viel Öko-Strom nach Deutschland wie die Haushalte in Wien und Niederösterreich verbrauchen, sagt Heilingbrunner und verweist dabei auf den im letzten Sommer geschlossenen Handel zwischen Verbund und E.ON. Demnach fließe ein Viertel der österreichischen Stromproduktion aus Wasserkraft ins Ausland.

Ausverkauf an Deutschland

Heilingbrunner erinnert an Umfragen, nach denen 87 Prozent der Österreicher gegen Atomstrom sind, nun aber würde Strom aus solchen Quellen vermehrt importiert werden, um die Exporte auszugleichen: "Die zuständigen Politiker, Bundeskanzler Schüssel und Bundesminister Bartenstein sehen nicht nur dabei zu, sondern unterstützen auch noch diesen offensichtlichen Ausverkauf an Deutschland."

Die Umweltorganisation Greenpeace wirft Wirtschaftsminister Martin Bartenstein "klares Versagen im Kampf gegen unsichere Atomkraftwerke" vor. "Das Importverbot für Strom aus der Slowakei, Slowenien, Polen und Ungarn aufzuheben ist der Gipfel der Scheinheiligkeit," erklärte Greenpeace- Geschäftsführer Bernhard Drumel in einer Aussendung: "Das ist ein verfrühter Aprilscherz, der alle Atom-Gegner für dumm verkauft!"

"Die Regierung hat andauernd betont, dass der vorläufige Abschluss des Energiekapitels irrelevant ist," ärgert sich Drumel. "Sobald aber aus wirtschaftlichen Interessen die Schleuse für Atomstromimporte nach Österreich geöffnet werden soll, kommt ein abgeschlossenes Energiekapitel plötzlich einem Beitritt gleich".
(DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2002)

von Conrad Seidl
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