George W. Bush im Höhenflug

3. Jänner 2002, 21:22
5 Postings

Der Präsident hat die höchsten Popularitätswerte in der Geschichte der USA

Die Ankündigung von Präsident George W. Bush zum Jahresende, er werde sich 2002 wieder mehr der Politik widmen ("Ich denke derzeit nicht wirklich an Politik, aber ich gebe zu, bald werde ich das müssen"), schien vielen Amerikanern als ein Widerspruch: Denn viele in Washington sind der Ansicht, dass der Präsident nach dem 11. September bereits politisches Kapital aus der Krisensituation der Vereinigten Staaten geschlagen habe.

Nahezu einhellig wird der Kampf gegen den Terrorismus gebilligt - 85 Prozent zeigen sich mit dem Präsidenten zufrieden, dennoch sind viele Amerikaner frustriert über die wirtschaftliche Lage und wünschen sich innenpolitische Reformen. Trotz der wiederholten Beteuerungen aus dem Weißen Haus, dass man nur wenige Gedanken an die Kongresswahlen in diesem Jahr oder etwa die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2004 verschwende, sind sich Bush und seine politischen Berater einig, dass die Wichtigkeit der so genannten "mid term elections" (die Clinton 1994 eine vernichtende Niederlage und den Sieg der Republikaner in beiden Häusern des Kongresses brachten) nicht zu unterschätzen ist.

Bush, dessen Beliebtheit US-Rekorde aufstellte und der zum Abschluss letzten Jahres von den Amerikanern mit Abstand zum meistbewunderten Mann der Welt gekürt wurde, lässt immer wieder verlauten, dass jeder politische Sieg, den er seit dem 11. September in Senat und Kongress erzielen konnte, bloß als zusätzlicher Bonus gezählt werde.

Im Weißen Haus weiß man jedoch, dass man das durch die Tragödie erlangte politische Kapital so bald wie möglich verwerten muss, da es andernfalls wie der Schnee vom vergangenen Jahr rasch und spurlos verschwinden könnte. Bushs politische Berater müssen auch damit rechnen, dass die in der Geschichte der USA höchsten Popularitätswerte bei der ersten Gelegenheit absinken könnten - "das ist", laut Politstrategen Mark McKinnon, "die Physik der Politik".

Selbst wenn Bush in der Popularitätsskala einen Trend nach unten verzeichnen sollte, kann er sich mit der Tatsache trösten, dass die Kontroverse um seine Wahl zum Präsidenten endgültig vorbei ist: Die Amerikaner sind sich einig, dass er sich zu ihrem legitimen Präsidenten entwickelt hat. (DER STANDARD, Print vom 4.1.2002)

Von Susi Schneider aus New York
Share if you care.