Lainzer Tunnel: Wiener FPÖ akzeptiert einröhrigen Bau

3. Jänner 2002, 14:11
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Zusätzlicher Ausbau von Schutzräumen und Infrastruktur in Ostregion

Wien - Meinungsumschwung bei der Wiener FPÖ: Nachdem die Freiheitlichen monatelang den zweiröhrigen Ausbau des umstrittenen Lainzer Tunnels gefordert hatten, geben sie sich nun mit einer Tunnelröhre zufrieden. "Ich bin ein Politiker, der die Realität zur Kenntnis nehmen muss", sagte FP-Gemeinderat und Planungssprecher Herbert Madejski am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Planungen für eine zweite Röhre kämen zu teuer und würden für neue Bewilligungsverfahren und Bauverzögerungen sorgen.

Eisenbahn-Kollisionen

"Ich akzeptiere ihn so, wie er ist", so Madejski zu dem Eisenbahntunnel, dessen Errichtung kürzlich vom Verwaltungsgerichtshof wegen mangelhafter Umweltverträglichkeitsprüfung gestoppt wurde. Zwei Röhren seien zwar weiter die sicherere Variante.

Die ÖBB plane aber ohnehin, weit weniger Züge als ursprünglich vorgesehen durch den Tunnel zu führen und den Westbahnhof weiter für den Fernverkehr zu nutzen. Damit ist für Madejski die Gefahr von Eisenbahn-Kollisionen auf der Verbindungsstrecke zwischen West- und Südbahn weitgehend ausgeräumt.

Schutzräume

Der FP-Gemeinderat will aber trotzdem für mehr Sicherheit im Tunnel sorgen. Er forderte den Ausbau der vorgesehenen Schutzräume, die teilweise durch einen Parallelstollen verbunden werden sollten. Diese Räume könnten dann auch für den Zivilschutz genutzt werden. Bürgermeister Michael Häupl (S) und Innenminister Ernst Strasser (V) als oberster Zivilschützer der Republik seien hier gefordert, so Madejski.

Infrastrukturausbau

Daneben setzte sich Madejski für einen forcierten Ausbau der Eisenbahn- und Straßeninfrastruktur im Wiener Raum ein. Er forderte die Verlängerung der Flughafenschnellbahn S 7 bis nach Preßburg, die Fortführung der S 80 nach Raasdorf und eine Schnellbahnverbindung von Süßenbrunn über Kagran und Stadlau zur S 80. Weitere Wünsche des FP-Mandatars: Der Ausbau der Bahnstrecke Süßenbrunn-Hohenau und im Süden Wiens ein drittes Gleis zwischen Atzgersdorf-Mauer und Brunn-Maria Enzersdorf.

Beim Straßenverkehr wünscht sich Madejski einen raschen Baubeginn bei der Nordost-Umfahrung Wiens. Unabdingbar sind für ihn dabei die sechste Donauquerung bei der Lobau, der Ausbau der Raffineriestraße als Verbindung zur Südost-Tangente (A 23) und gleichzeitig der Bau der B 305 in Richtung Nordosten. Planungs- und Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (S) müsse sich in Verhandlungen mit dem Bund dafür einsetzen, dass all diese Maßnahmen im Generalverkehrsplan oberste Priorität bekommen, so Madejski.

Ausbauen will Madejski auch die U-Bahn, und zwar die U 1 nach Süden und die U 2 nach Hirschstetten. Das ÖVP-Projekt einer U 5 zur Erschließung des Wienerbergs lehnte er dagegen ab. Dies sei nicht finanzierbar, vernünftiger sei eine neue Straßenbahn-Verbindung zur U 6-Station Philadelphiabrücke. (APA)

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