RZB: "Aktien kommen wieder in Mode"

3. Jänner 2002, 15:02
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Experten erwarten Konjunkturerholung in den USA und Europa - Die Boomjahre sind jedoch vorbei

Wien - Geht es nach den Kapitalmarktexperten der Raiffeisen Zentralbank (RZB), dann werden an den Finanzmärkten die Karten heuer neu gemischt: Mit der Erholung der Konjunktur in Europa und den USA sollten Aktien wieder in Mode kommen, während 2002 für Anleihen ein schwieriges Jahr werden könnte. "Die Talsohlen sind durchschritten", erklärte der RZB-Chefanalyst Peter Brezinschek am Donnerstag in Wien vor Journalisten und verwies auf die zuletzt positive Kursentwicklung an den Börsen und die gestiegenen Anleiherenditen.

Boomjahre vorbei

Die wirtschaftliche Erholung, die von den USA ausgehend im Jahresverlauf zunehmend an Dynamik gewinnen sollte, wird laut Brezinschek die Wirtschaftsräume Nordamerika und Europa wieder auf Wachstumskurs trimmen. Allerdings sollten die Anleger nicht auf eine Wiederholung der Boomjahre Ende des letzten Jahrzehnts hoffen, denn die BIP-Prognosen der RZB orientiert sich längerfristig an den Potenzialwachstumsraten. In Euroland soll demzufolge das BIP heuer um 0,8 Prozent und 2003 um 2,5 Prozent wachsen, während sich die USA 2002 mit einem 0,6-prozentigem Wachstum begnügen müssen, bevor es 2003 zu einem Wachstumsschub auf 3,0 Prozent kommen soll.

Euro-Erholung

Von diesem Szenario soll laut Brezinschek im Jahresverlauf auch der Euro profitieren können. Wegen der besseren BIP-Entwicklung in Europa werde der Euro bis zum Ende des ersten Quartals 0,95 US-Dollar erreichen, bis Jahresende habe er Potenzial bis 0,97 Dollar. Allerdings handle es sich dabei um keine nachhaltige Trendwende, sondern um eine Erholung innerhalb des bereits dreijährigen Abwärtstrend. Wegen der rückläufigen Inflation hält der RZB-Chefanalyst im Euroraum eine Zinssenkung um 50 Basispunkte für möglich, während es in den USA auf Grund der bereits negativen Realzinsen zu keinen weiteren Zinsschritten kommen sollte.

Zyklischer Branchenmix

Ein historischer Vergleich mit 1973/74, als es wie 2000/01 zwei Jahre mit negativer Kursentwicklung gegeben hatte, lässt den Leiter der RZB-Aktienanalyse, Helge Rechberger, heuer auf ein "ähnlich gutes Aktienjahr wie 1975" hoffen, in dem an den Börsen eine starke Erholung eingesetzt hatte. Daher empfiehlt die RZB im ersten Quartal einen zyklischen Branchenmix aus Vertretern des Grundstoffsektors, Herstellern von Investitionsgütern, Softwareerzeugern und Medienwerten.

"Buy and hold-Strategie"

Allerdings muss laut Rechberger immer wieder mit Rückschlägen gerechnet werden, der Aufschwung werde stufenweise erfolgen. Daher legt der Experte der Anlegerschaft anstatt einer "buy and hold-Strategie" tradingorientiertes Handeln nahe. Besonders im Jänner seien die Märkte auf Grund der wahrscheinlich wenig überzeugenden Zahlen für das vierte Quartal 2001 rückschlaggefährdet, da nach der liquiditätsgetriebenen Rally bald wieder die Fundamentaldaten die Regie an den Aktienmärkten führen werden. Unterm Strich sollte der Dow Jones Index laut Rechberger heuer 11.200 Punkte erreichen können, für den Euro-Stoxx 50 sieht er ein Potenzial bis auf 4.100 Zähler.

Vorsicht bei Anleihen

Vorsicht ist gemäß den RZB-Experten jedoch bei Anleihen geboten. Es empfehlen sich kurze bis mittlere Laufzeiten, Kurserholungen sollten zum Abbau von Langläufern genutzt werden. Wegen der höheren Renditen erscheinen vor dem Hintergrund einer Konjunkturerholung auch Euro-Corporate Bonds empfehlenswert. (APA)

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