Mehrheit gegen Leistungskürzungen und für Chipkartengebühr

3. Jänner 2002, 19:17
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Umfrage fühlt Wiener Gesundheitsversorgung auf den Zahn

Wien - Die Zufriedenheit der Wiener Bevölkerung mit derheimischen Gesundheitsversorgung ist nicht mehr ganz so groß wie nochvor einem Jahr. Das hat eine von der Wiener Ärztekammer beauftragteOGM-Umfrage ergeben. Laut Kammerpräsident Walter Dorner sind nur mehr61 Prozent mit dem Gesundheitssystem "sehr zufrieden". Bei einerUmfrage vor zehn Monaten waren es noch 65 Prozent gewesen.Überraschend hoch ist die Akzeptanz der Wiener für einerChipkarten-Gebühr, die von nicht einmal einem Viertel abgelehnt wird.

"Verfehlte Sparpolitik"

Dorner machte bei der Präsentation der Umfrage am Donnerstag die"verfehlte Sparpolitik" der Bundesregierung für diese Entwicklungverantwortlich. "Die Belastungswelle scheint kein Ende nehmen zuwollen. Es gibt eine irre Sparwut im Gesundheitswesen", befand derWiener Ärzte-Chef, der die "unsolidarischen Maßnahmen" der Regierungund des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger kritisierte.Seiner Ansicht nach zeigen sich nun die Auswirkungen: Es mache sichin Sachen Gesundheitssystem eine "verstärkte Unsicherheit" in derWiener Bevölkerung bemerkbar.

Laut OGM-Chef Wolfgang Bachmayer sind eine ganze Reihe vonErgebnissen im Vergleich zum Februar 2001 gleich geblieben.Unverändert abgelehnt werden demnach Leistungskürzungen im Zuge einerSanierung der Krankenkassen: "86 Prozent wollen das nicht." Auch mithöheren Leistungen von den Patienten können sich die Wiener nichtwirklich anfreunden. Sie lehnen etwa den Vorschlag ab, dieAmbulanz-Selbstbehalte zu erhöhen.

Mehrheit für Einführung der Chipkartengebühr

Als ideale Lösung erscheine den Befragten ein "Mix" ausverschiedenen Einsparungs-Maßnahmen. Bei den Sparvorschlägen stehtlaut Umfrage die Kassen-Verwaltung an der Spitze. Ebenfalls rechtdeutliche Zustimmung findet eine allgemeine Erhöhung derKassenbeiträge der Dienstnehmer um rund ein halbes Prozent. Auch dasLukrieren zusätzlicher Finanzmittel von medizinischen Risikogruppen(etwa durch Abgaben auf Tabak und Alkohol) wurde befürwortet.

Eine klare Mehrheit hat auch für die Einführung einerChipkartengebühr votiert. 30 Prozent sprachen sich dafür aus, dassdiese die Krankenscheingebühr ersetzen solle und 50 S (3,63 Euro) proArztbesuch betragen solle. 22 Prozent hielten das Einheben von 500 S(36,3 Euro) für alle Arztbesuche pro Jahr für sinnvoll. Nur mehr 15Prozent plädierten für eine Gebühr in der Höhe von 1.000 S (72,7Euro) für sämtliche Arzt- und Ambulanzbesuche. 24 Prozent lehnten dieGebühr für die Karte grundsätzlich ab.

Laut Kammer-Chef Dorner wird Wien - trotz der leicht abnehmendenTendenz - noch immer günstiger bewertet als andere Bundesländer. 39Prozent sind demnach der Ansicht, dass die Gesundheitsversorgung inder Bundeshauptstadt besser ist. Dorner warnte in diesem Zusammenhangjedoch erneut vor einem vertragslosen Zustand bei den Ärzten. Denndie Gebietskrankenkasse bleibe weiterhin bei ihrer Forderung nacheiner "Deckelung", die den Ärzten ein gewisses Kontingent anPatienten und Leistungen vorschreiben würde. Diese Art der"Leistungsminimierung" sei jedoch abzulehnen, so Dorner.

Waneck kontert

Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (F) hat amDonnerstag die Behauptung des Wiener Ärztekammerpräsidenten WalterDorner zurückgewiesen, wonach die Wiener Bevölkerung eine "verfehlteSparpolitik" des Bundes zu spüren bekommt: "Eine Belastung derPatienten findet nicht statt, auch wenn Dorner nicht müde wird das zubehaupten. Wir sparen bei der Verwaltung. Unsolidarische Maßnahmenwie Beitragserhöhungen, Deckelungen oder Leistungskürzungen werdenabgelehnt", betonte Waneck in einer Aussendung.(APA)

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