USA wollen sich gegen Cyber-Attacken wehren

3. Jänner 2002, 14:37
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Sicherheitsexperte warnt vor "digitalem Pearl Harbour"

Mit der Warnung vor einem "digitalen Pearl Harbor"hat der amerikanische Sicherheitsexperte Richard A. Clarke Politikerin Washington aufgeschreckt. US-Experten wie Clarke befürchten, dassin gar nicht ferner Zukunft zwei sehr unterschiedliche Gruppengemeinsame Projekte starten: Hacker und Terroristen. Clarke war unterPräsident Bill Clinton für die Terrorismusbekämpfung zuständig, undvon dessen Nachfolger George W. Bush wurde er unmittelbar nach denTerroranschlägen vom 11. September eingestellt - als Spezialist fürdie Absicherung gegen Cyberspace-Attacken.

Angriff an mehreren Fronten

Im Fall einer gezielten Attacke könnten solche Angreifer anmehreren Fronten gleichzeitig zuschlagen: In der Finanzwelt, etwadurch die Blockierung oder Manipulation von Börsencomputern. Auch dieRechner von Stromversorgern, Notfallzentralen undMilitäreinrichtungen sind denkbare Ziele von Cyber-Saboteuren. Dazukommt noch die Verletzbarkeit des Telefonsystems und damit auch desOnline-Datenverkehrs. Etwa 100 zentrale Verteilerzentren regeln dengesamten Telefonverkehr der USA.

Gezielte Attacken auf Telefonzentren

Gezielte Angriffe auf die wenigen Telefonzentren hättenverheerende Folgen. Einen ersten Eindruck davon gab es in den USA am11. September. In unmittelbarer Nähe des World Trade Centers betreibtdie Telefongesellschaft Verizon eine Schaltzentrale, die nach derAttacke vorübergehend den Betrieb einstellen musste. Rund 300.000Leitungen waren gestört, es dauerte mehrere Wochen, bis die gröbstenSchäden behoben waren.

Technische Kenntnisse und finsterer Pläne

Die schlimmen Folgen von Gebäude- oder Kabelschäden in denSchaltzentralen würden durch digitale Attacken noch in den Schattengestellt. Und solche Attacken drohen, wenn Terroristen die Bedienungvon Computern immer besser beherrschen. Bei Kongressanhörungen nachden Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon warntenExperten wie Frank Ciluffo vor einer hochbrisanten Kombinationtechnischer Kenntnisse und finsterer Pläne. Bin Laden habe den Fingeram Abzug, sein Enkel könnte seinen Finger auf der Maus haben, sagteCiluffo, der am hochangesehenen Washingtoner Center for Strategic andInternational Studies arbeitet.

Würmer als Waffen

Ciluffo und Clarke warnen vor Computerwürmern, die in der Hand vonböswilligen Experten zu verheerenden Waffen werden und etwa beiRegierungsstellen großen Schaden anrichten könnten. Clarkes Ermittlergaben bekannt, dass zwei Drittel aller geprüften Bundesbehörden einenSicherheitstest ihrer Computersysteme nicht bestanden.

"GovNet"

Die Systeme sollen nun gründlich überprüft und gegen Virengesichert werden. Gleichzeitig soll für die amerikanische Regierungso schnell wie möglich ein digitales Netzwerk aufgebaut werden, dasunabhängig vom Internet ist. Mit dem so genannten GovNet soll dieKommunikation zwischen Regierungsstellen vor allem in Notsituationengesichert werden, also im Kriegsfall oder bei erneuten Terrorattackenauf amerikanischem Boden.

Eine Technologie-Nationalgarde

Eine weitere Regierungsinitiative mit dem Titel NetGuard dient demAufbau einer Technologie-Nationalgarde, einer Truppe von Freiwilligenaus den Rängen amerikanischer High-Tech-Unternehmen. Dort arbeitenimmerhin weit mehr als zehn Millionen Computerexperten. Und derenWissen kann im Notfall unschätzbar wertvoll sein - das zeigte sichschon nach dem 11. September. Unter den zahllosen Freiwilligen, diesich in New York und Washington als Helfer meldeten, waren auchMitarbeiter von Firmen wie IBM und AOL-Time Warner. Sie entwickeltenunter anderem Datenbanken für die Verteilung von Geld an dieAngehörigen der Terroropfer.(apa/dpa)

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