Klassische Wissenschaftsredaktion ist ein Auslaufmodell

3. Jänner 2002, 09:56
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... sagt Medienforscher Quandt - Vorreiter sei u.a. die FAZ

Wissenschafter und Wissenschaftsredakteure müssen sich nach Ansicht des Medienforschers Siegfried Quandt stärker aufeinander zubewegen. "Die Journalisten brauchen mehr Sachkenntnis und die Wissenschaftler mehr Medienkompetenz", so der Gießener Journalistik-Professor. Es müsse in Zukunft mehr "Brückenbauer" geben, die sowohl die Anforderungen der Medienals auch die Bedürfnisse der Wissenschaftsszene kennen und zwischen beiden vermitteln können. Die klassischen Wissenschaftsredaktionen gehören nach Einschätzung Quandts der Vergangenheit an. "Man kann den Wissenschaftsjournalismus nicht in einem Ressort einsperren", sagte Quandt. Er sieht die gegenteilige Tendenz im Aufschwung: Wissenschaftliche Erkenntnisse fließen immer häufiger in die Berichterstattung über alle möglichen Themen ein."Zu eng gedacht" Gesonderte Wissenschaftsredaktionen haben nach Quandts Auffassung häufig einen Geburtsfehler: "Sie sind zu eng gedacht." Die Berichterstattung sei fixiert auf die Bereiche Naturwissenschaften, Medizin und Technik. "Bei 3.000 wissenschaftlichen Fachgebieten ist das zu wenig." So blieben zum Beispiel Kulturwissenschaften meist draußen.Integration Die Zukunft gehört Quandt zufolge nicht der "Gettoisierung" der Wissenschaft, sondern ihrer Integration in andere Ressorts. "Wissenschaftler werden zu einer zentralen Quelle für alle möglichen Themen des öffentlichen Interesses." In der Debatte um die Rinderseuche BSE beispielsweise seien Forscher auf den politischen Seiten der Zeitungen häufig zu Wort gekommen.Gentechnik-Debatte im Feuilleton Vorreiter dieser Entwicklung sei die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ), die die Gentechnik-Debatte im Feuilleton angesiedelt hatte. Auch das Deutschlandradio oder das Bayerische Fernsehen arbeiten Quandt zufolge mit Redakteuren, die "einen wissenschaftlichen Bezug" haben, aber im Vermischten, in der Politik oder in der Wirtschaft zu Hause seien. Ein Indiz für die Integration ist nach Ansicht Quandts, dass die Zahl der Wissenschaftsseiten zurückgehe, während die Zahl der Wissenschaftsjournalisten zunehme.(APA/dpa)
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