USA drängen Argentinien zur Zusammenarbeit mit IWF

3. Jänner 2002, 08:38
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Börse in Buenos Aires verzeichnete nach Amtsantritt Duhaldes Kursanstieg

Washington/Buenos Aires - Die USA haben den neuen argentinischen Präsidenten Eduardo Duhalde aufgefordert, weiter mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammenzuarbeiten und an der freien Marktwirtschaft festzuhalten. Sobald Argentinien ein "glaubwürdiges Wirtschaftsprogramm" vorlege, werde Washington zusammen mit anderen Staaten Buenos Aires über den IWF und andere internationale Finanzinstitutionen unterstützen, sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher am Mittwoch (Ortszeit) in Washington. Ähnlich äußerte sich der Sprecher des US-Finanzministeriums. Das Ministerium werde die Entwicklung in Argentinien "jeden Tag" beobachten.

Ein Vertreter des kanadischen Finanzministeriums sagte, in der Gruppe der sieben führenden Industriestaaten (G7) und in der die Schwellenländer umfassenden Gruppe der 20 (G20) werde die Lage Argentiniens erörtert. Eine Entscheidung werde aber erst fallen, wenn die neue Regierung in Buenos Aires Vorschläge zur Sanierung der zerrütteten Wirtschaft mache. Das nächste Treffen der G7-Finanzminister werde am 8. und 9. Februar in Ottawa stattfinden. Mitglieder der G7 sind Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA.

Die Verschuldung des öffentlichen Haushalts in Argentinien ist nach amtlichen Angaben zum 30. September 2001 gegenüber den ersten neun Monaten des Vorjahres um 9,3 Prozent auf 141,25 Milliarden Dollar (156,36 Milliarden Euro) gestiegen. Allein im Vergleich zum Juni 2001 stieg der Schuldenstand um 8,39 Milliarden Dollar, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Staatsanzeiger. Von Juli bis September 2001 erhielt Argentinien vom Internationalen Währungsfonds (IWF) Finanzhilfen in Höhe von 6,41 Milliarden Dollar, von der Interamerikanischen Entwicklungsbank 1,08 Milliarden Dollar, von der Weltbank 1,04 Milliarden Dollar und von anderen Einrichtungen eine Milliarde Dollar.

Umfassende Wirtschaftsreformen angekündigt

Der am Dienstagabend vom Kongress in Buenos Aires zum neuen Staatspräsidenten gewählte Peronist Eduardo Duhalde hat umfassende Wirtschaftsreformen angekündigt. Unter anderem will er die Bindung des Peso an den US-Dollar aufheben und das von seinem Vorgänger und Parteifreund Alfredo Rodriguez Saa während dessen einwöchiger Amtszeit verkündete Schuldenmoratorium aufrechthalten. Argentinien habe derzeit einfach kein Geld für die Schuldentilgung, sagte Duhalde in seiner Antrittsrede. Der künftige argentinische Wirtschaftsminister Jorge Remes Lenicov wird möglicherweise noch diese Woche nach Washington reisen und Verhandlungen mit dem IWF aufnehmen.

Börse in Buenos Aires verzeichnete nach Amtsantritt Duhaldes Kursanstieg

Die Börse in Buenos Aires verzeichnete nach dem Amtsantritt Duhaldes einen Kursanstieg von fast zehn Prozent. Der Merval-Index der Standardwerte stieg bis zum Börsenschluss am Mittwoch um 9,58 Prozent auf 323,69 Punkte. Nach Angaben von Analysten weckte Duhaldes Ankündigung eines neuen Wirtschaftsmodells zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei Aktienbesitzern einen vorsichtigen Optimismus. Die amtliche Arbeitslosenrate liegt derzeit bei mehr als 18 Prozent. (APA)

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