G7-Länder warten auf Argentiniens Krisenpläne

3. Jänner 2002, 08:05
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Neue Regierung muss Schuldenproblem angehen

Ottawa - Die Finanzminister der sieben führenden Industriestaaten (G7) wollen nach Angaben eines kanadischen Regierungsbeamten in der Argentinienkrise nicht aktiv werden, bevor die neue argentinische Regierung ihre Pläne zur Lösung des Schuldenproblems nicht auf den Tisch gelegt hat. Sowohl in der G7 als auch in der G20, die neben der G7 die größeren Schwellenländer wie Argentinien einschließt, werde die Notlage des lateinamerikanischen Landes diskutiert, hieß es in Ottawa.

"Was konkrete Schritte zum jetzigen Zeitpunkt angeht, ist nichts geplant", sagte ein Vertreter. Kanada hat derzeit den Vorsitz sowohl in der G7- als auch in der G20-Gruppe.

Angesichts der Größenordnung der argentinischen Finanzkrise und der Höhe des Schuldenberges wollen die Finanzminister nach Informationen aus G7-Kreisen abwarten, mit welchen Plänen die neue Regierung das Problem angehen wolle. Der Sprecher des US-Finanzministeriums teilte mit, das Ministerium werde die Entwicklung in Argentinien "jeden Tag" beobachten. Die USA würden Argentinien unterstützen, wenn das Land einen dauerhaften Wirtschaftsplan habe und mit den internationalen Finanzinstitutionen zusammenarbeite, fügte er hinzu.

Abwertung des an den US-Dollar gekoppelten Peso

Der peronistische Senator Eduard Duhalde war am Mittwoch zum neuen Präsidenten des Landes gewählt worden, nachdem sein Vorgänger Adolfo Rodrigues Saa nach einer Woche im Amt zurückgetreten war. Am 20. Dezember hatte Präsident Fernando de la Rua nach Ausschreitungen und Krawallen, bei denen 27 Menschen starben, seinen Posten niedergelegt. Regierungsnahe Kreise gehen davon aus, dass Duhalde eine Abwertung des an den US-Dollar gekoppelten Peso erwägt, um das wirtschaftliche und politische Chaos in Griff zu bekommen.

Ängste vor einer Abwertung des Peso haben nach Händlerangaben in Argentinien die Aktienkurse am Mittwoch um mehr als neun Prozent nach oben getrieben. Aus Furcht vor einer Entwertung ihrer Ersparnisse hätten sich Anleger in argentinische Aktien geflüchtet, sagten Händler. Der führende argentinische Aktienindex MerVal legte um 28,3 Punkte auf 323,69 Zähler zu.

Der kanadische Finanzminister Paul Martin, der als wichtiger Befürworter der G20-Gruppe gilt, fordert seit längerem, die Gruppe solle langfristige Mechanismen einführen, um die Auswirkungen finanzieller Umbrüche bewältigen zu können. "(Argentiniens Situation) zeigt, dass diese Dinge nicht einfach verschwinden, egal wie besorgt man war, als die Asienkrise und Russlands (Krise) eintrafen", fügte der kanadische Vertreter hinzu. Die Schulden des argentinischen Staates lagen nach jüngsten Angaben der Regierung Ende September 2001 bei 141 Milliarden Dollar (160 Mrd. Euro/2.202 Mrd. S).

Die G7-Gruppe setzt sich aus Frankreich, Kanada, den USA, Großbritannien, Deutschland, Japan und Italien zusammen. Das nächste Treffen der G7-Finanzminister soll nach Informationen aus G7-Kreisen am 9. Februar in Kanada stattfinden. (APA/Reuters)

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