Millionen Argentinier vor dem Ruin

4. Jänner 2002, 19:42
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Die geplante Peso-Abwertung schürt Existenzängste des Mittelstands

Buenos Aires - Die Aufgabe der seit zehn Jahren bestehenden Koppelung der Landeswährung Peso an den US-Dollar steht laut Medienberichten im Zentrum des neuen Wirtschaftsplans der argentinischen Regierung. Das sollte de facto zu einer Abwertung des Peso um bis zu 40 Prozent führen. Experten befürchteten aber, dass die Landeswährung in der Folge noch weiter unter Druck kommen könnte. Für den Fall einer völligen Freigabe des Wechselkurses hielten viele ein Absacken auf ein Tauschverhältnis von drei zu eins gegenüber dem Dollar für realistisch.

Präsident Eduardo Duhalde wollte gemeinsam mit Wirtschaftsminister Jorge Remes Lenicov Details des Plans ursprünglich schon Freitagabend bekannt geben, verschob dies aber auf den Samstag, um dem Kongress Zeit für Beratungen zu geben. Noch am Freitag hatten Duhalde und Remes Lenicov bei Gewerkschaftsvertretern und Geschäftsleuten für den Plan geworben.

Ruin

Nach Einschätzung von Analysten könnte die Peso-Abwertung, auch wenn sie auf 40 Prozent beschränkt bliebe, Millionen von Argentiniern in den Ruin treiben. Sie müssen weiterhin ihre in Dollar aufgenommenen Kredite für Autos oder ihre Dollar-Hypotheken bedienen, werden aber weiter in Peso entlohnt. Um die Bevölkerung davor zu schützen, plant die Regierung, für Dollar-Schulden von bis zu 100.000 Dollar (110.668 Euro) weiterhin einen Wechselkurs von eins zu eins gelten zu lassen. Dies freilich könnte nur mit Einwilligung der Gläubiger geregelt werden.

Die Auswirkungen der Währungskrise waren schon in den vergangenen Tagen sichtbar. Viele Geschäfte hoben die Preise an, um den Folgen einer Abwertung vorzubeugen. Zudem wurde die Versorgung mit Medikamenten wie Insulin knapp, sodass das Nachbarland Brasilien mit einer Lieferung von Medikamenten aushelfen musste.

Bei der Bedienung seiner Auslandsschulden war Argentinien am Donnerstag in Zahlungsverzug geraten. Argentinien habe die fällige Zahlung von 28 Millionen Dollar auf eine Lira-Anleihe nicht geleistet, sagte ein Mitarbeiter der Regierung, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Wir sind jetzt (damit) in Zahlungsverzug", fügte er hinzu.

Schuldenzahlung ausgesetzt

Argentinien hatte Ende Dezember offiziell die Zahlung der Auslandschulden in Höhe von 141 Milliarden Dollar ausgesetzt. Bis Ende März muss das Land an den Internationalen Währungsfonds (IWF) drei Milliarden Dollar zurückzahlen. Allerdings kann die Rückzahlung von einer Milliarde Dollar nach einer früheren Vereinbarung verschoben werden.

Der argentinische Peso ist seit 1991 an den Dollar gekoppelt. Viele Volkswirte machen die starre Bindung des Peso von eins zu eins an den US-Dollar verantwortlich für die aktuelle Krise des Landes. (Reuters, DER STANDARD, 5.1.2001)

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