Ablösung der US-Marineinfanteristen bei Kandahar hat begonnen

2. Jänner 2002, 21:47
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Afghanischer Finanzminister will stabile Währung

Washington/Kabul - Die angekündigte Ablösung derbisher am Flughafen der afghanischen Stadt Kandahar stationiertenUS-Marineinfanteristen durch Angehörige regulärer US-Truppen hatbegonnen. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums der USAteilte am Mittwoch in Washington mit, mehrere hundert Soldaten der101. Luftlande-Division seien inzwischen eingetroffen. Sie würden dieAufgaben der Spezial-Einsatzkräfte übernehmen, denen andere Aufgabenzugewiesen würden. Nach Abschluss der Maßnahme würden weiterhin rund1000 Soldaten auf der Basis sein, die die Marineinfanteristenerrichtet hatten.

Die Aufgaben der US-Streitkräfte und ihre Prioritäten blieben diegleichen wie bisher: Verfolgen und Ergreifen von Taliban-Anführernsowie von Spitzenfunktionären des Extremisten Osama bin Laden, sagtedie Sprecherin. Die US-Truppen würden wie bisher mit derInterimsregierung in Kabul zusammenarbeiten und humanitäreHilfsmaßnahmen unterstützen. Nach Angaben der Sprecherin halten dieUS-Soldaten inzwischen 221 Mitglieder der El Kaida Bin Ladens und derTaliban als Gefangene fest. 200 Mitglieder der Spezial-Einsatzkräftesollen nördlich von Kandahar nach Hinweisen über die Aktivität derExtremisten suchen. Medienberichten zufolge beteiligten sichMarineinfanteristen auch an der Suche der Paschtunen-Krieger nach demuntergetauchten Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar in der Nähe vonBaghran.

Inflationsrisiko

Hedayat Amin Arsala, Finanzminister in der seit zehn Tagenamtierenden Übergangs-Regierung in Kabul, hofft auf eineStabilisierung der afghanischen Währung, des Afghani. In einemReuters-Interview am Mittwoch unterstrich der Minister, dies solleohne allzu harte Eingriffe in den Handel geschehen, und unterVermeidung des Inflationsrisikos. Gleichzeitig räumte Arsala ein,angesichts leerer Staatskassen und einer nach jahrelangem Bürgerkriegruinierten Wirtschaft werde Afghanistan wohl noch über Jahre vonausländischen Hilfen abhängig sein. Benötigt würden mindestens zwölfMilliarden Dollar (13,62 Mrd. Euro/187 Mrd. S) über die nächsten fünfJahre.

Der Afghani, dessen Wert vor allem durch die zahllosenStraßenhändler in Kabul, aber auch im pakistanischen Peshawarbestimmt wird, habe sich von 79.000 zum Dollar am 11. Septemberinzwischen bei 25.000 zum Dollar erholt. Einen Spitzenwert erzielteder Afghani einen Tag vor der Installierung der Übergangsregierungmit 11.000 zum Dollar. Diese Entwicklung sei etwas zu schnell, zuspekulativ, sagt Arsala. Er schaue auf einen Wert "etwas mehr in derMitte", wobei er aus seiner Besorgnis vor Inflation keinen Hehlmacht. In Afghanistan liegt das durchschnittliche Monatseinkommen vonBeamten bei zwölf Dollar. (APA/Reuters)

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