Arsen als politisches Symbol

2. Jänner 2002, 19:28
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Wahlkampfthema in USA, versickernde Zuständigkeit in Österreich

Arsen im Trinkwasser ist ein weltweites Problem, macht politisch Schlagzeilen aber vor allem in den USA, wo sein Grenzwert für den Stellenwert der Umwelt insgesamt steht: In seiner drittletzten Amtshandlung unterzeichnete Bill Clinton eine Herabsetzung des Grenzwerts von fünfzig auf zehn Mikrogramm pro Liter. In seiner allerersten Amtshandlung setzte George W. Bush den alten Wert wieder in Kraft.

Nun ist seine Administration umgeschwenkt und will ab 2006 den neuen Wert vorschreiben. Damit folgen die USA den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, dem dringenden Rat der eigenen Umweltbehörde EPA und dem Beispiel der EU, die die zehn Mikrogramm bis Ende 2003 erreicht sehen will. Wissenschaftlich allerdings ist auch dieser Wert nicht zu begründen, er wird zu vermeidbaren Toten führen: Die US-Akademie der Wissenschaften empfiehlt drei Mikrogramm und sieht selbst dabei noch vier bis zehn Menschen von zehntausend an Krebs erkranken, der mit arsenfreiem Wasser vermieden würde.

Karten im Internet

Aber der Wert von drei Mikrogramm wäre selbst in den USA kaum finanzierbar, das Arsen ist zu weit verbreitet, vor allem im Mittelwesten. Die Karten sind im Internet so leicht zugänglich wie die von Bangladesch.

In Österreich hingegen versickern die Daten im Zuständigkeitsgewirr: Grundwasser ist Bundessache, für Trinkwasser sind die Länder zuständig (allerdings unter Gesundheitsgesetzen des Bundes), aber die meisten führen keine zentralen Dateien darüber, was die jährlich nötige Prüfung der Wasserversorger ergibt, Hausbrunnen müssen ohnehin meist nicht geprüft werden. Allgemein wird versichert, dass kein Wasser über dem Grenzwert (derzeit 50 Mikrogramm, ab Ende 2003: zehn) in die Leitungen kommen darf und tatsächlich auch nicht kommt. Einzelne hoch belastete Quellen gebe es, vor allem bei Bergwerken, aber sie würden bei Bekanntwerden geschlossen.

Bekannt und geschlossen wurden zuletzt, 1999, Quellen in Wolfsberg im Lavanttal. Das Land Kärnten hat das zum Anlass genommen, seine Belastung flächendeckend wissenschaftlich erheben zu lassen. Die Studie soll demnächst abgeschlossen sein. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 3.1.2001)

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