Duhalde könnte Abwertung des Peso um 40 Prozent planen

2. Jänner 2002, 21:56
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Neuer Präsident trat Amt an und will Opposition in Regierung nehmen

Buenos Aires - Der neue argentinische PräsidentEduardo Duhalde hat sein Amt angetreten. Bei einer Zeremonie imPräsidentenpalast Casa Rosada in der Hauptstadt Buenos Aires übernahmder 60-Jährige am Mittwochnachmittag (Ortszeit) von InterimspräsidentEduardo Camano die Symbole der Macht, eine blau-weiße Schärpe undeinen Stab. Der Peronist Duhalde will dem Vernehmen nach in seine"Regierung der nationalen Einheit" auch namhafte Vertreter derOpposition aufnehmen. Aus Beraterkreisen verlautete, dass Duhaldemöglicherweise eine Abwertung der Landeswährung Peso um bis zu 40Prozent plane.

Bei der fünf Minuten dauernden Zeremonie gab Duhalde keinenKommentar zu seiner zukünftigen Politik mit. Sein Wirtschaftsprogrammwill er am Freitag vorstellen. Duhalde traf mit dem Gouverneur derProvinz Buenos Aires, Carlos Ruckauf, zusammen, um ihm den Posten desAußenministers anzubieten. Der Peronist Ruckauf hatte sich zuvorbereit erklärt, das Amt zu übernehmen. Seine erste Auslandsreise sollRuckauf nach Brasilien führen.

Bankrott von Millionen Bürgern

Wie die spanische Tageszeitung "El Pais" in ihrer Internetausgabeunter Berufung auf peronistische Parlamentarier berichtet, werden derneuen argentinischen Regierung auch Vertreter der radikalen Parteivon Ex-Präsident Fernando de la Rua angehören. Wirtschaftsministerkönnte der "Duhaldist" Jorge Remes Lenicov werden, als Finanzministerwerde Lisandro Barry genannt. Der frühere Finanzminister desInterimspräsidenten Adolfo Rodriguez Saa, Rodolfo Frigeri, hatAussichten auf den Posten des Notenbankgouverneurs.

Die Abwertung des Peso könnte den Bankrott von Millionen Bürgernbedeuten, gilt jedoch als einzige Möglichkeit, wie Argentinien ausder seit vier Jahren andauernden Rezession kommen kann. Die Abwertungwürde die argentinische Wirtschaft konkurrenzfähiger machen,andererseits könnte sie viele in Dollar verschuldete Unternehmen inden Konkurs treiben.

Unterdessen hob die argentinische Zentralbank am Mittwoch dieVerpflichtung für die Banken auf, Peso im Verhältnis eins zu eins zurZahlung von Dollarschulden anzunehmen. Diese Regelung war imvergangenen Monat eingeführt worden. Dollarschulden müssen jetztwieder in Dollar beglichen werden. Die Finanzmärkte zeigten sichunbeeindruckt von der Ernennung des neuen Präsidenten. ArgentinischeAnleihen tendierten im europäischen Handel stabil.

Duhalde, der ehemalige Gouverneur der Provinz Buenos Aires war amDienstag vom Kongress mit großer Mehrheit zum Staatsoberhaupt gewähltworden. Er soll das wirtschaftlich ruinierte Land bis zum Ende derregulären Amtszeit des zurückgetretenen Präsidenten Fernando de laRua im Dezember 2003 regieren. Duhalde ist der fünfte Präsident desLandes in nur zwei Wochen. (APA/Reuters)

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