Placebos gegen Depressionen fast so wirksam wie echte Antidepressiva

2. Jänner 2002, 15:38
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US-Studie setzte Bildtechnologie ein

London - Wissenschaftler der Universität von Kalifornien haben mittels Bildtechnologie festgestellt, dass Scheinmedikamente (Placebos) bei der Behandlung von Depressionen nahezu ebenso wirksam sind wie echte Antidepressiva. Scheinmedikamente scheinen dem Team um Andrew Leuchter zufolge bestimmte Areale in der Hirnrinde zu aktivieren, so ein Bericht der BBC. Die Wissenschaftler hoffen nun, dass Placebos auch die Heilungsrate der krankhaften Schwermütigkeit verbessert. Die Studie wurde im Fachmagazin American Journal of Psychiatry veröffentlicht.

Für die Studie untersuchte Leuchter 51 Freiwillige mit schweren depressiven Störungen. Zehn jener 26 Patienten, die Scheinmedikamente erhielten, reagierten positiv auf die Behandlung. Dem stehen 13 von 25 Patienten gegenüber, die auf Antidepressiva reagierten. Damit sind laut den US-Forschern Medikamente mit antidepressiver Wirkung nur geringfügig besser. Den Effekt der Placebos stellte das kalifornische Team mit der so genannten quantitativen Elektroencephalographie fest, einem Verfahren, das die elektrische Aktivität des Gehirns misst. Bei den Probanden, die einen Placebo erhielten, stellten die Forscher eine gesteigerte Aktivität des präfrontalen Kortex fest. Diese Region steht mit dem Gedächtnis, der Informationsverwertung, Verhaltensmechanismen und der Aufmerksamkeit in Zusammenhang.

"Die Ergebnisse zeigen, dass es neben Medikamenten auch andere Wege zur Behandlung von Depresssionen geben muss", so Leuchter. Psychiater könnten somit in Zukunft bestimmen, welche Therapie bei Patienten die aussichtsreichste ist, erklärte der Forscher. Im nächsten Schritt will das Team untersuchen, mit welchen Mechanismen Scheinmedikamente wirken. (pte)

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