Handel: Schilling-Ende kommt noch im Jänner

3. Jänner 2002, 12:05
7 Postings

Euro hat "Feuerprobe" bestanden - Extrem lange Wartezeiten in den Banken

Wien - Zuerst der skeptischeBlick auf den Kassazettel,dann der noch skeptischereauf das Wechselgeld: "Washab' ich da nur zurückbekommen?" Noch haben sichdie Konsumenten offenbar -trotz Ansturm auf die Startpakete - nicht so ganz an dieneuen Euros und Cents gewöhnt.

Dementsprechend viele bezahlen noch mit Schilling."Wir wurden heute bereitsden ganzen Tag zur Wechselstube umfunktioniert", klagtetwa eine Wiener Trafikantin."Wenn das so weitergeht, istder Schilling in zwei WochenGeschichte." Eine Einschätzung, die man auch bei derKaffeehauskette Starbucksteilt. Die meisten Kundenwürden ihren Kaffee in Schilling bezahlen, herausgegebenwerde ausnahmslos in Euro.Die Schilling-Beträge kommen in eigene Kassen, die vomKassenpersonal nicht mehrgeöffnet werden können. Deradministrative Aufwand seienorm, man sei noch nichteinmal mit der Abrechnungdes Vortages fertig.

In den Banken waren Wartezeiten von mehr als einerStunde keine Seltenheit.

"Nicht sattelfest"

In der Billa-Filiale in denRingstraßengalerien läuft dasTagesgeschäft dagegen ziemlich nach Plan. "Die Leute sindfreundlich, nehmen sich Zeit,um das Wechselgeld genau zukontrollieren", sagt eine Kassierin. Wirklich sattelfest seien noch nicht viele Kunden.Daher werde auch die elektronische Geldbörse vermehrtgenutzt. Vor allem ältere Leutehätten sich vor Weihnachtennoch schnell eine Karte mitQuick-Funktion besorgt.

Die Kunden reagieren großteils gelassen, ganz nach demMotto: "Es bleibt ohnehinnichts anderes übrig als unsan den Euro zu gewöhnen."

Der Versuch, die letztenSchillinge unter die Leute zubringen, führte in der StadtSalzburg schon am Silvestertag zu langen Wartezeiten undteils chaotischen Zuständenin den Geschäften.

Johann Maier, der Leiter derSalzburger AK-Konsumentenberatung, berichtete davon, dass einige Kaufleute amMittwoch trotz gegenteiligerRechtslage mit Verweigerungreagierten: Bei der AK seienBeschwerden eingegangen,dass Tausend- und Fünfhundert-Schilling-Banknoten aneinigen Kassen nicht mehr angenommen worden seien.

Wenig Verständnis

Im Innsbrucker Cafe Centralwurde am 1.Jänner noch fastausnahmslos mit Schillingbezahlt, Tag zwei nach derUmstellung entpuppte sichschon ganz als Euro-Tag."Heute zahlen die meisten mitEuro", sagte eine Kellnerin.Allerdings zeigen die Gäste fürihren Blick auf die neue Preisliste wenig Verständnis, "vielesind leider recht ungeduldig",beklagen sich gleich mehrereBedienstete. Im Central werden auf Schillinge Schillingeund auf Euro Euro retourniert,das Traditionshaus will beider Hektik nicht "auch nochdie Bank spielen".

Banküberfälle

Vielleicht auch darum, umnicht Opfer eines Banküberfalls zu werden. Die erstenÜberfälle mit Euro-Beutewurden aus Spanien undGriechenland gemeldet. Immittelspanischen Dorf Fuentesauco überwältigten zweiTäter in der Silvesternachtden einzigen Mitarbeiter underbeuteten 91.300 Euro. In Athen entkamenUnbekannte mit 78.000 Euro.

Unbeeindruckt davon zeigtesich der Euro am Mittwochund kletterte über die 90-US-Cent-Marke. Am spätenNachmittag lag der Wert bei0,9042 Dollar. (zwi, neu, bs, DER STANDARD, Printausgabe, 3.1.2001)

Share if you care.