Kunststoffe aus Gras

2. Jänner 2002, 16:41
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Gras als wertvoller Rohstofflieferant entdeckt

Wien - Den Wert von simplem Gras als Lieferant von wertvollen Rohstoffen - wie Proteinen, Milchsäure oder auch Fasern - untersucht derzeit das Forschungsvorhaben "Grüne Bio-Raffinerie", ein Gemeinschaftsprojekt des Kornberg Instituts Steirisches Vulkanland und Joanneum Research. Das Vorhaben wird im Rahmen des Forschungsförderungsprogramms "Fabrik der Zukunft" vom Infrastrukturministerium (BMVIT) gefördert. Beteiligt sind neben öffentlichen Forschungseinrichtungen auch private Unternehmen.

Kunststoffe aus Gras

Wiesen und Weideflächen waren noch vor wenigen Jahrzehnten die wichtigste Grundlage der Viehwirtschaft. Durch das Angebot der Futtermittelindustrie und die intensive Tierhaltung hat sich das grundlegend geändert. Gras kann aber auch industriell genutzt werden, um etwa Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen herzustellen. Im Rahmen der Grünen Bioraffinerie versuchen die Forscher, die Ansätze für eine solche Nutzung auf eine vernünftige Basis zu stellen und in Zusammenarbeit mit Firmen Prototypen zu entwickeln.

Gras enthält zwischen 15 und 18 Prozent Protein

Ein Ansatz ist die Entwicklung einer Technologie, in der aus Gras Protein gewonnen wird, welches dann wiederum in der Tierhaltung verfüttert wird. "Normales Gras enthält zwischen 15 und 18 Prozent Protein in der Trockenmasse, im modernen Kraftfutter sind es dagegen 50 bis 55 Prozent", erklärte Projektleiter Stefan Kromus vom Kornberg Institut. Tiermehl ist dafür als Proteinquelle heute tabu (Stichwort: BSE), bleiben also Sojaimporte. Die Herstellung von Proteinkonzentrat aus heimischem Gras wäre daher eine Alternative, welche auch die Bauern unterstützen würde.

Durch den Vergärungsvorgang in der Silage kann aus Wiesengrünmasse aber auch Milchsäure erzeugt werden. Und diese wäre wieder der Ausgangsstoff für eine Menge Produkte, etwa Kunststoffe. Heute können solche Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Gras mit Erdölprodukten preislich noch nicht konkurrieren, was sich aber durch den Bioraffinerie-Ansatz - einem integrierten "Multi-Product" System - ändern könnte. Und daran wollen die steirischen Wissenschafter nun mit Hochdruck arbeiten.

Bei der Grasverarbeitung fällt nach der Auftrennung schließlich noch das Fasermaterial der Pflanzen an. Auch hier soll geprüft werden, inwieweit die Fasern sinnvoll eingesetzt werden können, etwa als Dämmstoffe, Bauplatten oder Materialien für den Garten- und Landschaftsbau. Alle weiteren biogenen Reststoffe dienen zur Energieerzeugung etwa in einer Biogasanlage.

Wiesen industiell nutzen

Die sinnvolle Verarbeitung von Gras hätte nicht zuletzt den Vorteil, dass Wiesen nicht aus unserem Landschaftsbild verschwinden. Vor allem extensiv genutzten Flächen wird von Experten ein hoher ökologischer Wert attestiert. Hier finden Tiere und Pflanzen eine Heimat, die ansonsten nur noch wenig Raum in der Kulturlandschaft haben.

Die Programmlinie "Fabrik der Zukunft" läuft im Rahmen des Impulsprogramms "Nachhaltig Wirtschaften". 2001 und 2002 stehen für Projekte, die den Weg zur "Fabrik der Zukunft" ebnen sollen, jeweils 35 Millionen Schilling (2,54 Mill. Euro) zur Verfügung. In der ersten Ausschreibungsrunde des Programms wurden 20 Projekte ausgewählt, 2002 sollen zwei weitere Ausschreibungen erfolgen. (APA)

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