Duhalde: Staat hat "keinen Peso mehr"

2. Jänner 2002, 13:09
7 Postings

Neuer Präsident verspricht politischen Neubeginn und sozialen Frieden

Buenos Aires - Der neue argentinische Präsident Eduardo Duhalde hat in seiner Antrittsrede einen politischen Neubeginn zur Überwindung der Krise, Ankurbelung der Wirtschaft und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und sozialen Ungleichheit versprochen. Inmitten der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrise seit Jahren war Duhalde vom argentinischen Kongress am späten Dienstagabend (Ortszeit) mit großer Mehrheit zum neuen Staatspräsidenten gewählt worden. Kurz nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses leistete Duhalde seinen Amtseid.

In seiner Antrittsrede gab er die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit "über politische Barrieren und Parteigrenzen hinweg" bekannt. Duhalde räumte ein, dass der argentinische Staat "keinen Peso mehr" habe, um seinen Verpflichtungen nachkommen und Löhne und Renten bezahlen zu können. Argentinien sei pleite und brauche ein Moratorium für seine Auslandsschulden in Höhe von 132 Milliarden Dollar (150 Mrd. Euro/2.059 Mrd. S).

Das bisherige Politikmodell sei gescheitert, sagte Duhalde. Es sei verantwortlich für die Zerstörung der Mittelschichten und dafür, dass 40 Prozent der 36 Millionen Einwohner am Rande der Armutsgrenze lebten. Die Arbeitslosenrate liegt nach vier Rezessionsjahren mittlerweile bei über 18 Prozent. Während Duhaldes Rede gab es in zwei Vierteln der Hauptstadt Proteste von Töpfe und Pfannen schlagenden Menschen. Größere Massenproteste blieben jedoch aus.

Duhalde ist innerhalb von zwölf Tagen der fünfte Politiker, der höchste Staats- und Regierungsamt ausübt. (APA)

Share if you care.