Wie Wasserflöhe für ihre Enkel sorgen

1. Jänner 2002, 21:06
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Die Mütter legen ihren Jungen eine "Botschaft" ins Ei

Plön/Wien - Wasserflöhe legen ihren Jungen eine Botschaft ins Ei, die über die Zukunft der Enkel entscheidet. "Gewöhnlich sind alle Wasserflöhe Weibchen und pflanzen sich durch Jungfernzeugung fort", erklärt Winfried Lampert vom Max-Planck-Institut für Limnologie in Plön, Deutschland, "aber bei verschlechterten Bedingungen stellen sie auf sexuelle Reproduktion um und produzieren Dauereier, die lange auf bessere Zeiten warten können."

Schlecht werden die Bedingungen oft im Jahr, aber meist nur für kurze Zeit, dann wird die Reproduktion nicht umgestellt. Wirklich besorgniserregend wird es erst im Spätherbst, wenn der nahrungsarme Winter droht. Dann müssen die kurzlebigen Wasserflöhe - sie werden zwei Wochen alt - nur noch wissen, dass wirklich Herbst ist.

Zwar messen sie die Tageslänge, aber die sagt ihnen nicht, ob es Herbst ist oder Frühjahr. Diese Information kommt von der Mutter: "Sie übermittelt im Ei, wie lange die Tage bei der Eiablage waren, und die Jungen können dann mit ihrer eigenen Tageslänge vergleichen", berichtet Lampert, der im Labor mit Kunstlicht und unterschiedlicher Nahrungszufuhr alle erdenklichen Varianten durchgespielt und die Geschlechtsumstellung nur bei Herbstbedingungen gefunden hat: "Wie sie das tun, wissen wir allerdings noch nicht." (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 1. 2002)

Vgl. "Nature", Vol. 414, S. 899.
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