Abgase schädigen Ungeborene

2. Jänner 2002, 11:19
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Epidemiologen stellen erstmals Zusammenhang von Ozon mit Herzfehlern fest

Los Angeles/Wien - Zwei weit verbreitete Luftschadstoffe, Kohlenmonoxid und Ozon, wie sie vor allem vom motorisierten Straßenverkehr verursacht werden, verdreifachen die Wahrscheinlichkeit von bestimmten Herzfehlern bei ungeborenen Kindern. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die von der School of Public Health der University of California gemeinsam mit dem kalifornischen Monitoring-Programm für Geburtsschäden erstellt wurde.

Basis waren Daten von über 9000 Babys der Jahre 1987 bis 1993 sowie von 30 Luftmessstationen im (städtischen) Großraum Los Angeles.

Organschäden treten häufiger bei jenen Ungeborenen auf, deren Mütter im zweiten Schwangerschaftsmonat einer höheren Kohlenmonoxid- und Ozonkonzentration in der Luft ausgesetzt waren. Und je höher die Konzentration, desto höher die Wahrscheinlichkeit. In der Zeit bis etwa zum dritten Monat werden im Embryo die wesentlichen Organe angelegt. Das Herz beginnt rund vier Wochen nach der Zeugung zu schlagen. Die betroffenen Babys müssen schon vor dem ersten Geburtstag am offenen Herzen operiert werden.

Geringeres Geburtsgewicht und mehr Frühgeburten waren als Begleiterscheinung der Autoabgase bekannt. Diese Studie zeigt mehr: "Das ist der erste zwingende Nachweis, dass Luftverschmutzung für gewisse Geburtsschäden verantwortlich ist", sagt Beate Ritz, Leiterin der Untersuchung, die am 1. Jänner im American Journal of Epidemiology erschienen ist. "Und sie zeigt, dass nicht nur Asthma und Atemwegserkrankungen verursacht werden."

Keinen Zusammenhang fand man jedoch zwischen den Geburtsschäden und Stickoxid oder größeren Partikeln. Die Epidemiologin Ritz vermutet, dass noch nicht gemessene "andere Luftgifte oder feine Partikel" gemeinsam mit Kohlenmonoxid und Ozon auftreten und dafür verantwortlich sind. Die beiden Schadstoffe müssen also nicht direkt verantwortlich sein.

Um andere Risikofaktoren einzubeziehen, sind weitere Studien nötig. (rosch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 1. 2002)

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