Vom Sorgenkind zum gefürchteten Serienerzähler

1. Jänner 2002, 20:41
posten

Dieter Wedel, Regisseur des TV-Sechsteilers "Die Affäre Semmeling"

Weihnachten verbrachte der deutsche TV-Regisseur Dieter Wedel auf Gran Canaria. Eine "kurze Ruhepause" hat er sich dort gegönnt, bevor er nach Deutschland zurückkehrte und in München die letzten beiden Folgen des TV-Sechsteilers Die Affäre Semmeling fertig stellte.

Dass Wedel der Regeneration bedurfte, ist ihm nicht zu verdenken: 210 Drehtage und einen Unfall am Set, der eine Hüftoperation nach sich zog, hat der 59-jährige Fernsehfilmer und Drehbuchautor hinter sich, und mit dem Start am Mittwochabend um 20.15 Uhr (ZDF, ORF 2) beginnt ein neuer Abschnitt an arbeitsintensiver Zeit. Die Öffentlichkeit will bedient werden: Wedels Filme sorgen stets für Diskussionen, seltener allerdings aufgrund etwaiger inhaltlich divergierender Meinungen, sondern vor allem deshalb, weil ihm nachgesagt wird, nicht ganz frei von Allüren zu sein.

Wedel, am 12. November 1942 im deutschen Bad Nauheim geboren, gilt in der Ausübung seines Berufes als hart und unnachgiebig. Die Arbeit mit ihm sei "die Hölle", weiß etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung, seine Wutausbrüche seien "gefürchtet".

"Eine Menge Power" habe er im Laufe der Zeit "sowohl psychisch als auch physisch angesammelt", meint Dieter Wedel von sich selbst, denn als Bub habe er zu jenen so genannten "Wegwerfkindern" gehört, die durch zahlreiche Erkrankungen in ihrer Entwicklung lange Zeit gebremst waren. Mit 14 sei er, an Tuberkulose erkrankt, "ein Jahr lang im Wald gesessen", ein Lehrer erteilte Privatunterricht und verschaffte ihm damit einen Lernvorsprung. Wedel machte mit 17 Jahren Abitur, promovierte mit 23 (Theaterwissenschaft, Publizistik und Geschichte) und drehte mit 26 sein erstes Fernsehspiel für den NDR. Den großen Durchbruch schaffte er 1993 mit dem Wirtschafts- und Sozialepos Der große Bellheim, es folgten 1996 Der Schattenmann und zuletzt, 1998, Der König von St. Pauli.

Die Regenbogenpresse stürzt sich indessen begierig auf pikante Details aus Wedels Privatleben. Gerüchte über eine Dreierbeziehung grassieren ebenso heftig wie das nicht enden wollende Rätselraten um die tatsächliche Kinderanzahl des unverheirateten Regisseurs: Zuweilen sind es fünf Stück von fünf verschiedenen Frauen. Der potenzielle Vater schweigt sich zu diesem Thema freilich aus.

Für heimische Illustrierte war Wedels Aussage über die Theaterschauspielerin Julia Stemberger, die sich im König von St. Pauli als Stripperin versuchte, ein gefundenes Fressen. Wedel bezeichnete Stemberger im Nachhinein als "fehlbesetzt", lobte im Gegenzug die Darstellung ihrer an renommierten Rollen nicht gerade reichen Kollegin Sonja Kirchberger und sorgte einmal mehr abseits seiner Filme für Aufregung.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 1. 2002)

Von
Doris Priesching

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.