Flurbereinigung bei deutschen Direktbanken

2. Jänner 2002, 16:14
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Lage bei Muttergesellschaften sind angespannt

Frankfurt - Die angespannte Lage bei einigen Muttergesellschaften wird 2002 voraussichtlich zu einer Flurbereinigung bei den deutschen Direktbanken führen. Mit dem Online-Broker Consors steht einer der drei großen deutschen Marktteilnehmer zum Verkauf, nachdem die Konzernmutter SchmidtBank im November nur durch eine Auffanggesellschaft vor dem Aus bewahrt werden konnte. Die mehrheitlich zur Commerzbank gehörende Comdirect plant indes den Verkauf ihrer defizitären Aktivitäten in Frankreich und Italien.

Analysten halten es darüber hinaus nicht für ausgeschlossen, dass Comdirect wieder ganz unter das Dach der Commerzbank zurückgeholt wird. Auch die HypoVereinsbank könne mit der DAB Bank diesen Weg gehen und damit zu einem Mehrkanal-Vertriebssystem kommen, wie es die Deutsche Bank mit ihrem Online-Broker maxblue verfolge.

Interessenskonflikt bei deutschen Großbanken wegen Consors

Der anstehende Verkauf von Consors hat die deutschen Großbanken Analysten zufolge bereits in einen Interessenkonflikt gebracht, der vermutlich nicht leicht zu meistern sein wird: Einerseits seien die großen Geldhäuser Mitglieder des Rettungskonsortiums für die SchmidtBank und müssten daher an einem möglichst hohen Verkaufspreis für Consors interessiert sein. Andererseits wird aber unter anderem den Online-Töchtern von Commerzbank und HypoVereinsbank erhebliches Eigeninteresse an einer preiswerten Übernahme zumindest der Consors-Kunden nachgesagt.

Der ursprünglich bis Jahresende vorgesehene Verkauf der Comdirect-Aktivitäten in Frankreich und Italien war auch von der Konzern-Mutter Commerzbank betrieben worden. Ihr Vorstandschef Klaus-Peter Müller hatte mehrfach deutlich gemacht, dass sich die Tochter von Teilen ihrer tief in den roten Zahlen steckenden Auslandsaktivitäten trennen müsse. Die Commerzbank, die weiterhin die Mehrheit an Comdirect hält, leidet selbst unter schwachen Erträgen bei gleichzeitig hohen Kosten und hat umfangreiche Sparmaßnahmen angekündigt. Comdirect hatte zuletzt bekannt gegeben, weiter mit mehreren Kaufinteressenten für die beiden Auslandseinheiten zu verhandeln. Aus Unternehmenskreisen hatte es dagegen geheißen, es gebe vermutlich keinen Käufer und die Einheiten würden möglicherweise geschlossen.

Schwache Märkte geben ihren Teil

Angesichts der schwachen Konjunktur und der negativen Auswirkungen für die Märkte halten es Experten weiterhin für möglich, dass Commerzbank und HypoVereinsbank ihre Töchter wieder komplett eingliedern. "Es hat immer Stimmen gegeben, die reine Online-Broker für nicht überlebensfähig gehalten haben", sagte ein Analyst. "Diese Einschätzung verstärkt sich natürlich, wenn Kundenwachstum und Ordervolumen der Direktbanken wegen der schwachen Märkte niedrig sind." Es stelle sich die Frage, ob reine Online-Broker nicht zu anfällig für konjunkturelle Schwankungen und deren Auswirkungen auf die Märkte seien. Hypovereinsbank-Chef Albrecht Schmidt hatte Ende November gesagt, für die DAB seien alle Optionen offen. In Frage komme sowohl ein Zukauf als auch eine Wiedereingliederung oder die Steigerung der Transaktionszahlen aus eigener Kraft.

Anders als die anderen Großbanken setzte die Deutsche Bank bei ihren Online-Aktivitäten von Anfang an auf eine integrierte Lösung. Ihre Plattform maxblue ist in den Konzern eingebunden. Das Institut sieht die Zukunft in einem Vertriebsmodell über verschiedene Kanäle, wie etwa Online- oder Filialgeschäft. (APA)

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