Virtueller Euro-Start in Kosovo und Montenegro

1. Jänner 2002, 21:07
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Kosovo und Montenegro nutzen Euro als offizielle Währung

Pristina/Podgorica - Der Start in die Euro-Ära hat in der jugoslawischen Provinz Kosovo und der Teilrepublik Montenegro am Dienstag ohne Münzen und Scheine begonnen. Die Banken sollten erst am Donnerstag nach zwei Neujahrsfeiertagen mit der Ausgabe des neuen Geldes beginnen. Kosovo und Montenegro nutzen den Euro als offizielle Währung, ohne selbst Mitglieder der Eurozone zu sein.

"Ich habe nur eine Euromünze, und die hat ein Freund aus den Niederlanden mitgebracht", sagte ein junger Albaner in der Kosovo-Hauptstadt Pristina. "Die ersten Scheine werde ich am 3. Jänner von meiner Bank bekommen." Im Kosovo war die D-Mark auf Beschluss der Vereinten Nationen zur offiziellen Währung erklärt worden.

Inzwischen seien 409 Mio. Euro auf neue Konten bei den sieben Banken im Kosovo eingezahlt, um in Euro gewechselt zu werden, hatte Ajri Begu, Direktor der Zentralen Zahlungsbehörde im Kosovo erklärt. Vor den Banken gab es schon vorm Jahreswechsel lange Schlangen.

In Montenegro, wo die nach Unabhängigkeit strebende Regierung den jugoslawischen Dinar durch die D-Mark ersetzt hatte, soll die Ausgabe des Euro am Donnerstag beginnen. Die Feiertage würden zur Verteilung von zunächst 30 Mio. Euro an Banken genutzt, so die Zentralbank in Podgorica. In den vergangenen Wochen waren die Einlagen bei Banken in der kleineren jugoslawischen Teilrepublik um 50 Mio. Mark oder 30 Prozent gestiegen. Über Bankkonten kann das Geld gebührenfrei getauscht werden.

Experten der Deutschen Bank hatten geschätzt, dass in Kroatien und Serbien je etwa fünf Mrd. DM, im Kosovo und in Bosnien-Herzegowina je etwa zwei Mrd. DM und in Montenegro und Mazedonien wohl je um eine Mrd. DM auf den Umtausch warten.


Besonderes Risiko

Ein Bargeldabfluss wegen Umtausches von D-Mark aus Reservehaltung in Süd- und Osteuropa sei für die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) ein "besonderer Risikofaktor" während der Umstellung, so OeNB-Direktor Alfred Scherz. Einerseits könnten dabei mehr DM-Blüten in Umlauf kommen, andererseits könne es einen nicht eingeplanten Euro-Abfluss geben. In diesem Fall stünden kurzfristig Scheine und Münzen von der EZB-Zentralreserve zur Verfügung. (dpa, red, Der Standard, Printausgabe, 02.01.02)

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