Reisefreudige Japaner lassen Euro hochleben

1. Jänner 2002, 20:44
posten

Banken und Versicherer sind sehr vorsichtig

Japanische Touristen, die immer noch der Meinung sind, dass ein Trip von Wien nach Madrid ein Katzensprung ist, freuen sich über die Einführung der Einheitswährung im EU-Raum. "Endlich gibt es den Euro zum Anfassen, und die dauernde Wechselei ist zu Ende", sagt Akiko Yamamura (62), die für Februar ihre dritte Europareise gebucht hat. Sie freut sich zwar auf die Besichtigungen von Museen und Kathedralen, aber noch mehr auf die Modegeschäfte, die auf dem Wege liegen. "Ich mag Kreditkarten nicht leiden und bezahle eine schöne Tasche oder ein Halstuch lieber mit Bargeld", erklärt Frau Yamamura.

Sie ist durchaus keine Ausnahme. Japaner lieben es bis heute, ihre Einkäufe bar zu bezahlen, und die Euroeinführung dürfte mithelfen, dass die trotz Wirtschaftskrise reisefreudigen Insulaner in Zukunft noch mehr für Modeartikel und Familiengeschenke auf ihren Reisen im Euroraum ausgeben werden. "Wenn nur England und die Schweiz auch mitmachen würden, wäre es für uns noch einfacher", fügt Frau Yamamura hinzu.

Etwas weniger euphorisch klingt es, wenn Vertreter japanischer Versicherungen und Finanzhäuser über den Euro reden. Sie glaubten nämlich nach der Einführung der Einheitswährung im Jänner 1999, dass sie sich rasch zu einer starken Alternative zum US-Dollar entwickeln würde und verbrannten sich mit dieser Voraussage die Finger kräftig.

Nippon Life - Nummer eins bei Lebensversicherungen - kaufte damals Euro-Bonds in Milliardenhöhe und musste ein Jahr später, nachdem der Euro gegenüber dem Yen um 24 Prozent abgewertet hatte, einen Verlust von 230 Mrd. Yen (zwei Mrd. EURO) hinnehmen. Auch andere Versicherungen und Banken verspekulierten sich in Milliardenhöhe. (STANDARD-Korrespondent André Kunz aus Tokio, Der Standard, Printausgabe, 02.01.02)

Share if you care.