Nationalbank-Gouverneur Klaus Liebscher: politischer Schulterschluss durch neue Währung

1. Jänner 2002, 20:36
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Der Währungswechsel zu Neujahr ging problemlos über die Bühne

Wien - Der Bargeldwechsel vom Schilling zum Euro verlief in der Nacht zum 1. Jänner 2002 "komplikationslos", meldete die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Neujahrstag. Ab Mitternacht verkauften mobile Geldwechselstellen der OeNB insgesamt 8000 Startpakete im Wert von 36,34 Euro (500 S), bis zum Vormittag wurden österreichweit 124.000 Abhebungen von Bankomaten mit einem Wert von 19 Millionen EURO registriert. Anders als von der Bankomatengesellschaft Europay noch am Freitag nachdrücklich versichert, konnte das Geld von zahlreichen Geldautomaten schon ab den frühen Abendstunden und nicht erst ab Mitternacht bezogen werden.

Das "Jahrhundertprojekt Euroeinführung" werde auch einen "politischen Schulterschluss" in der EU bringen, sagte Nationalbank-Gouverneur Klaus Liebscher in einem Interview mit dem ORF-Radio. Mit dem Euro werde der Handel in der EU intensiviert und der Binnenmarkt wirklich vollendet. Liebscher zeigte sich optimistisch, dass mit der "physischen Einführung" auch die Zustimmung in den Nichteuroländern Großbritannien, Schweden und Dänemarkt steigen würden.

Als positive Überraschung der mehrmonatigen Umstellungsphase bis zur Bargeldausgabe wertete der Projektleiter der Bank Austria Creditanstalt die reibungslose "Zusammenarbeit von Teams, die noch nie zusammengearbeitet haben", von OeNB, Banken, Exekutive, Wertetransporteuren und Wirtschaftskammer, "in Europa einsame Spitze". "Es hat kein einziges Hoppala bei der Vorbereitung gegeben, keinen einzigen Überfall bei der Verteilung", sagte Peklo im Gespräch mit Journalisten.

Während sich "70 bis 80 Prozent von Groß- bis Kleinunternehmen" gut vorbereitet hätten, habe bei den anderen Firmen "Sendepause" in der Vorbereitung geherrscht. "Dort ist jetzt auch das Restrisiko." "Je tiefer in den Tälern, desto mehr haben die Leute Schillinge abgehoben und sich draufgesetzt", sieht Peklo noch große Schillingmengen im Umlauf. Vor allem Hoteliers und Liftgesellschaften hätten sich mit vielen Schillingen eingedeckt. "Wir gehen davon aus, dass diese Betriebe noch länger in der Schillingwirtschaft bleiben."

Große Neugierde bei der Bevölkerung registrierte Michael Mauritz von der Erste Bank. An den 1800 Bankomaten von Erste und Sparkassen hätte es bis Mittag 250.000 Abhebungen gegeben, was 50 Prozent über dem Schnitt liege, und auch Kontoauszugsdrucker hätten wesentlich mehr Abfragen als sonst registriert.

OeNB wie Bankenvertreter versichern, dass die Liquidität garantiert sei. Insgesamt sind in Österreich drei Milliarden Euro im Umlauf, etwa die Hälfte in Bankomaten, die andere Hälfte bei Unternehmen. Dies entspricht weit mehr als einen heimischen Monatsbedarf an Bargeld. (spu, Der Standard, Printausgabe, 02.01.02)

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