Peronist Duhalde neuer Übergangspräsident für Argentinien

2. Jänner 2002, 10:10
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Fünfter Amtsinhaber in knapp zwei Wochen - Verletzte bei Protesten in Buenos Aires

Buenos Aires - Mit großer Mehrheit hat das argentinische Parlament den Peronisten Eduardo Duhalde zum neuen Übergangspräsidenten bestimmt. 262 Abgeordnete sprachen sich in ihrer Krisensitzung am Dienstag für den Ex-Gouverneur der Provinz Buenos Aires aus, nur 21 stellten sich gegen ihn; 18 enthielten sich der Stimme. Damit ist der 60-Jährige der Fünfte innerhalb von knapp zwei Wochen, der das höchste Staats- und Regierungsamt in dem krisengeschüttelten Land übernimmt.

Duhalde soll bis zum Ende der regulären Amtszeit von Fernando De la Rua im Dezember 2003 die Regierungsgeschäfte leiten. De la Rua war am 20. Dezember unter dem Druck der militanten Proteste gegen seine Wirtschaftspolitik zurückgetreten. Daraufhin übernahm Senatspräsident Ramon Puerta das Amt übergangsweise, bevor Adolfo Rodriguez Saa am 23. Dezember Übergangspräsident wurde.

Nach nur einer Woche trat Rodriguez Saa jedoch am Sonntag zurück, nachdem auch seine Regierung zum Ziel neuer Massendemonstrationen geworden war. Er begründete seinen Rücktritt auch mit mangelnder Unterstützung seiner peronistischen Partei. Am Montag wurde dann Parlamentspräsident Eduardo Camano übergangsweise als amtierender Staatschef vereidigt.

Demonstrationen

"Hoch lebe Argentinien! Hoch lebe Peron!" riefen hunderte Anhänger Duhaldes nach der Entscheidung. Duhalde war zwei Mal Gouverneur der Provinz Buenos Aires, wo jeder vierte der 36 Millionen Argentinier lebt. Er gilt als entschiedener Kritiker der Politik der freien Wirtschaft, die die Regierung in den vergangenen Jahren verfolgt hat. Duhalde trat bei der Präsidentschaftswahl 1999 an, unterlag aber De la Rua.

Wegen Unstimmigkeiten zwischen den Peronisten hatte sich der Beginn der Sondersitzung des Kongresses um vier Stunden verzögert. Vor der Sitzung der beiden Parlamentskammern gerieten im Zentrum von Buenos Aires Anhängern von Duhalde und linke Demonstranten aneinander. Sie bewarfen sich gegenseitig mit Steinen und anderen Wurfgeschossen. Die Polizei setzte Tränengas und Gummikugeln ein. Es gab mehrere Verletzte. (APA)

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