Neujährliches G'riss ums neue Geld

2. Jänner 2002, 12:28
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Der Run auf die neuen Scheine blieb den Ballungszentren vorbehalten, bis auf wenige Pannen verlief die Währungsumstellung reibungslos

Wien/Graz - In Graz begann das Eurozeitalter mit einer Panne. "Er ist von uns allen natürlich am meisten zerknirscht, aber schön langsam kriegt er wieder Farbe ins Gesicht", zeigt der Chef der Grazer Niederlassung der Nationalbank, Gerhard Schulz, Mitleid mit jenem Kassier, dem ein Lapsus passiert war: Der Bankbeamte verwechselte in der Silvesternacht die Eurostartpakete und gab etliche der Geldpakete im Wert von 12.500 Schilling zum Einzelpreis von 500 Schilling aus.

Am Neujahrstag gegen zwölf Uhr gab die Bank einen Schaden in der Höhe von 7267 Euro (100.000 Schilling) bekannt, eine Stunde später waren es aber nur noch 1744 Euro (24.000 Schilling). Denn einige der Nutznießer der Europanne meldeten sich freiwillig und brachten den Differenzbetrag zurück.

Während sich die Grazer in der Silvesternacht mit dem Euroeinkauf noch eher zurückhielten, setzte am Neujahrstag eine Euphorie ums neue Geld ein. Schulz: "Die Leute standen Schlange. Einer wollte gar eine Million Schilling eintauschen."

In Wien ging die Währungsumstellung ruhig über die Bühne. Zwar gab es an den Bankomaten in Kärntnerstraße und Graben kurze Wartezeiten, die Gier nach den roten und grünen Scheinen (zehn und 100 EURO) hielt sich aber in Grenzen. Für die meisten Barabheber stand das Interesse im Vordergrund, das neue Geld in die Hand zu bekommen. Wenn es einen Andrang gab, dann war der gemacht: Ein Kamerateam des italienischen Fernsehsenders Rai Tre simulierte bei der Meinl-Bank am Graben den Run auf den Euro. Beim Zahlen und Herausgeben setzte die große Mehrheit der Silvesterschwärmer aber auf den Schilling.

Geschäfte gestürmt

Touristen sorgten am Silvestertag in Salzburg für chaotische Zustände in den Lebensmittelgeschäften der Landeshauptstadt. Im offensichtlichen Bemühen, die letzten Urlaubsschillinge vor der Euroeinführung anzubringen, wurden die Läden regelrecht gestürmt. Weit gemäßigter war hingegen der Andrang bei den Bankomaten in der Innenstadt. Als Hit erwies sich aber die von der Nationalbank am Alten Markt aufgestellte Euroausgabestelle. Hier bildeten sich lange vor Mitternacht Warteschlangen. Mit dem Geldumtausch wurde daher einige Minuten früher als geplant begonnen.

In Eisenstadt war es beinahe ein Silvester wie jeder andere zuvor. Denn die Mehrheit der pannonischen Wirtsleute war der richtigen Annahme, dass ohnehin niemand die neue Währung übers Knie brechen wollte. Man flanierte die Fußgeherzone hinauf zum Esterházy-Schloss, da und dort kehrte man ein, beglich die Rechnung wie eh und je. Die ungewohnten Scheine, die seit dem frühen Abend aus den Bankomaten kamen, blieben einstweilen im Börsel.

In Klagenfurt begrüßte man die neue Währung mit Begeisterung. Auf dem traditionsreichen Alten Platz war ein Eurocontainer der Nationalbank aufgestellt worden. Dieser wurde ab 22 Uhr regelrecht gestürmt. Die insgesamt 2000 Europakete, die ausgegeben wurden, waren im Handumdrehen weg. Bereits gegen 17 Uhr spuckte der erste Bankomat die ersten Euroscheine aus - sofort bildeten sich lange Warteschlangen. Der Run auf den Euro hielt in Klagenfurt auch am Neujahrstag an. Bereits vor der Öffnung der Nationalbank-Zweigstelle um 9 Uhr warteten Hunderte Einheimische und Touristen darauf, sich Euro besorgen zu können. (neu, mue, rose, stein, wei, Der Standard, Printausgabe, 02.01.02)

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