Neujahrskonzert: Zärtliches "Antanzen" des Euro im Walzertakt

1. Jänner 2002, 17:48
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Seiji Ozawa dirigierte - Leichtigkeit und Klarheit

Wien - Mit der traditionellen Begrüßung des neuen Jahrs mitdem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, ist diesmal zum 1.Jänner 2002 auch der Euro begrüßt worden. Unter dem Euro-Zeichen, dasauf der großen Orgel des mit Blumen aus San Remo geschmücktenGoldenen Musikvereinssaals prunkte, dirigierte Seiji Ozawa als ersterfernöstlicher Dirigent das 43. Neujahrskonzert, in dem in derÜbertragung des ORF der Euro auch mit einem "Münzballett" gefeiertwurde.

Für Seiji Ozawa, seit 1966 mit dem Orchester verbunden, war esein fulminanter Einzug in Wien, verlässt der langjährige Chef desBoston Symphony Orchestra doch heuer die amerikanische Ostküste, umim Herbst sein neues Amt als Musikdirektor der Wiener Staatsoperanzutreten. Und für die Philharmoniker war es auch eine Geste an ihrebegeisterten Fans in ihrer, wie Orchestervorstand Clemens Hellsberges nannte, "zweiten Heimat" Japan.

Kein Fünkchen Schlamperei

Bei den Klängen der Walzerdynastie waren sich die Philharmonikerund der japanische Dirigent einig in einer Leichtigkeit und Klarheit,die von keinem Fünkchen Schlamperei verwischt oder gar getrübt werdendurfte und in diesen gewissen spannungsreichen aber nie ausgewalztenwienerischen Tempi-Verzögerungen. Wie im zartesten Aquarell auffeinsten Japanpapier ließ Ozawa liebevoll feinste Details aufblitzensowie - nicht zuletzt - einen subtilen Humor, dem jedes Gepolterfremd ist; wobei der bekennende Nicht-Tänzer Ozawa mittemperamentvollen (und telegenen) körperlichen Einsatz denBallett-Einlagen Konkurrenz machte.

Was Wunder, dass der Maestro mit dem Sinn für feinste Vibrationendie Polka Mazur "Die Libelle" von Josef Strauß ins Programmaufgenommen hat. Hör- und sichtbar hatten die Wiener und ihrkünftiger Opern-Musikchef viel gemeinsames Vergnügen beim musizieren,das vom Publikum auch mit vibrierender Begeisterung gefeiert wurde.

Lipizzaner

Zu den Tanz-Einlagen steuerten erstmals nach 15 Jahren (unterKarajan) wieder die Lipizzaner bei, die zur Elisen Polka von VaterStrauß ihre hohe Schule vorführten. Neben dieser Rarität gab es auchmit dem Marsch zum Trinkspruch "Zivio" und dem "Danse diabolique" mitdem die Philharmoniker Joseph Hellmesberger würdigten,Neujahrskonzert-Novitäten.

Der "Euro-Tanz", den der Regisseur der TV-Übertragung Brian Largeaus Aufnahmen in der Münze Österreich und der Nationalbank montierthatte, wirbelte aber symbolreich zu einem nicht verzichtbaren Rennerder Strauß-Hitparade, dem "Perpetuum mobile". Fürs Publikum im Saal,zu dem Bundeskanzler Wolfgang Schüssel heuer als EhrengastEU-Kommissionspräsident Romano Prodi mitgebracht hatte, verteiltendazu Eleven der Staatsopern-Ballettschule Blumensträußchen mit süßenSchokolade-Euros.

Geschwindigkeitsrekord

Zum Blick ins Schatzhaus Österreich, den in der ORF-Übertragungeinem Publikum in rund 40 Ländern auf allen Kontinenten geboten wird,gehörte beim "Aquarellen Walzer" von Josef Strauß auch ein filmischerGang durchs Kunsthistorische Museum. Neu eroberter Schauplatz für dasBallett zum "Donauwalzer" mit Gaststar Vladimir Malakhov (der auchfür die Choreographie zeichnete) war diesmal das Parlament, wo in denKostümen von Christian Lacroix getanzt wurde.

Ein neuer "Geschwindigkeitsrekord" wird bei der CD desNeujahrskonzerts 2002 angepeilt. Sie soll ab 7. Jänner im Handelerscheinen. (APA)

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