Indien unter Bedingungen zu Gesprächen über Kaschmir bereit

1. Jänner 2002, 10:03
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Vajpayee will Islamabad "auf halbem Wege entgegenkommen"

Neu-Delhi - Indien hat sich im Konflikt mit Pakistan unter Bedingungen zu Gesprächen über die umstrittene Kaschmir-Region bereit erklärt. Indiens Premierminister Atal Behari Vajpayee erklärte in seiner am Dienstag in der Presse veröffentlichten Neujahrsbotschaft, Pakistan müsse zunächst seine "anti-indische Einstellung" ablegen und wirksame Schritte gegen den grenzüberschreitenden Terrorismus einleiten. Vajpayee sagte, falls die gestellten Bedingungen erfüllt seien, werde Indien dem Nachbarland "auf halbem Wege entgegenkommen" und sei bereit, auch über die umstrittene Kaschmir-Frage zu sprechen.

Indien beschuldigt Pakistan, Rebellen zu unterstützen, die den Anschluss des indischen Teils von Kaschmir an Pakistan erreichen wollen. Als Großbritannien 1947 den Subkontinent in die Unabhängigkeit entließ und die mehrheitlich moslemisch besiedelten Gebiete den neuen Staat Pakistan bildeten, optierte der Maharadscha von Kaschmir, Hari Singh, für den Beitritt seines Fürstentums zur Indischen Union. Rund 60 Prozent der Fläche des mehrheitlich moslemischen Gebiets kamen zu Indien (1957 wurde der Unionsstaat Jammu und Kaschmir geschaffen), während der nordwestliche Teil als "Azad Kaschmir" (Freies Kaschmir) unter pakistanische Verwaltung gestellt wurde.

Gipfeltreffen

Indien hatte bereits am Montag ein Gipfeltreffen zur Entschärfung des Kaschmir-Konfliktes in Aussicht gestellt. Die pakistanische Polizei hatte zuvor den zweiten der mutmaßlichen Drahtzieher des Selbstmordanschlages auf das indische Parlament verhaftet. Seit dem Anschlag am 13. Dezember hatten sich die Spannungen zwischen Indien und Pakistan erhöht. Gelegenheit zum Gespräch zwischen den Erzfeinden bietet der Südasien-Gipfel, der vom 4. bis 6. Jänner in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu stattfindet.

Die USA, die UNO und zahlreiche Staaten drängen die beiden

Atommächte Indien und Pakistan, die bereits drei Kriege gegeneinander geführt haben, zu einer friedlichen Beilegung des Konfliktes, der beide Seiten zur Verlegung starker Truppenverbände an die Grenze veranlasst hat.(APA/Reuters)

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