Peking nimmt Jahrhunderte alte Tradition wieder auf

1. Jänner 2002, 13:01
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Erstmals seit 1924 erklingen am Kaiserpalast wieder die alten Trommeln und Glocken

Peking - Nach 77-jähriger Pause will Peking eineJahrhunderte alte Tradition wieder beleben: Erstmals seit 1924 sollenmorgen, Montag, am Kaiserpalast die alten Trommeln und Glocken wiederertönen. Am Abend sollen jugendliche Kampfsportler die steinernenStufen des Trommelturms ersteigen und die Klangkörper mit einemDurchmesser von bis zu 1,60 Metern schlagen. Gleichzeitig soll der200 Meter entfernte Glockenturm reaktiviert werden.

"Dies ist eine zentraler Bestandteil der Stadtgeschichte", sagteZhu Yingli von der Stadtbehörde am Sonntag. "Das war die Uhr deseinfachen Volkes." Das abendliche Ritual soll laut Zhu morgens undnachmittags für Touristen wiederholt werden - im Gegensatz zu frühersollen die Trommeln und Glocken nachts aber schweigen, "sonst könntendie Leute nicht mehr schlafen".

Damals

Der Turm wurde 1272 eingeweiht. Damals erklangen die Trommeln undGlocken ab 19.00 Uhr im Abstand von zwei Stunden. Zwei Mal brannteder Turm ab und wurde wieder aufgebaut, zuletzt 1420. Das Ritualüberlebte auch den Sturz des Kaisertums im Jahr 1911. Die Traditionendete jedoch nach 652 Jahren, als der letzte Kaiser Puyi 1924 ausseinem Palast vertrieben wurde und Peking verließ.

Nach der Revolution 1949 erklärte selbst die kommunistischeRegierung von Mao Tse Tung, die Tempel und andere historische Bautenzerstören ließ, den Trommelturm zu einem nationalen Schatz. DieGlocken des anderen Turms ertönten in der Vergangenheit einmaljährlich zum Beginn des chinesischen Mondjahres.

Steine zurück

Das Projekt demonstriert den Willen der Pekinger Stadtverwaltung,zumindest die letzten verbliebenen historischen Reste der Altstadtnoch zu bewahren. Die Behörden wollen weitere historische Stättenerhalten und die alte Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert wiederaufbauen. Der Schutzwall war nach 1949 auf Geheiß der kommunistischenMachthaber von Schulkindern abgebaut worden. Die Stadt hat nun an dieBevölkerung appelliert, die noch erhaltenen Mauersteine zurückzugeben- allerdings mit mäßigem Erfolg: Von den schätzungsweise zweiMillionen tauchten bisher laut Behörden erst rund 200.000 wieder auf. (APA/AP)

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