Buddha-Statuen von Bamiyan sollen neu errichtet werden

1. Jänner 2002, 20:27
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Grazer Spezialist bereitet Vorgaben für Rekonstruktion vor

Kabul - Die afghanische Übergangsregierung will dieeinzigartigen Buddha-Statuen von Bamiyan neu aufbauen, die unter denradikalislamischen Taliban zerstört worden waren. Der Minister fürKultur und Information, Rahin Machdum, sagte am Sonntag, dieRestaurierung der mehr als 1.500 Jahre alten Skulpturen gehöre zu denPrioritäten der neuen Regierung. Sie werde zu den Buddha-Statuen"schnellstmöglich" ein Seminar unter Beteiligung afghanischer undinternationaler Fachleute veranstalten. Das genaue Datum werde nachRücksprache mit der UNO-Kulturorganisation UNESCO bekannt gegeben.

Die Taliban hatten die beiden 34,5 und 55 Meter hohen, inSandstein gehauenen Buddha-Statuen ungeachtet heftigerinternationaler Proteste im März mit Dynamit und Maschinengewehrfeuerzerstört, weil sie aus der vorislamischen Zeit stammten und der Islambildhafte Darstellungen von Lebewesen angeblich nicht erlaube.

Für alle Fälle ...

Der Grazer Vermessungstechniker Robert Kostkabereitet nach eigenen Angaben die Rekonstruktion vor. Wie Kostka sagte,könnte das aus dem Jahre 1970 stammende Fotomaterial binnen einerWoche in Graz so aufbereitet werden, dass es an der ETH Zürichausgewertet und für ein 3-D-Modell verwendet werden kann.

Kostka, emeritierter Professor an der TU Graz, hatte bei einerExpedition 1970 fotogrammetrische Aufnahmen von den beidenBuddha-Statuen gemacht. Im Zuge der im März erfolgten Zerstörung derMonumente hatte sich der Vermessungstechniker auf die Suche begeben -und war im Keller des Grazer Institutes tatsächlich fündig geworden:Die mittels Spezialkamera auf 13x18 Zentimeter-Glasplattenaufgenommenen schwarz-weiß Bilder tauchten wieder auf und müssenjetzt nur noch eingescannt werden, um für die digitaleDatenverarbeitung zur Verfügung zu stehen.

Das Verfahren

"Ich freue mich, dass sich die Arbeit von damals nach 30 Jahrenwirklich lohnen dürfte", erklärte Kostka, der gemeinsam mit derBibiotheca Afghanica bei Basel erste Vorbereitungen zurRekonstruktion eingeleitet hat: "Wenn es nach mir geht, können dieseArbeiten in Graz in der ersten Jännerwoche erledigt sein". An der ETHZürich würde dann die Auswertung der Daten und die Erstellung eines3-D-Modells erfolgen, skizziert Kostka die weiteren Schritte. Auchein sechs Meter hohes Real-Modell ist geplant.

Die Fotogrammetrie ist ein seit 1850 angewandtes Verfahren, beidem die Aufnahmen mit stereoskopischen Messbildern erfolgen, die dannräumlich sichtbar gemacht und mit Auswertgeräten ausgemessen werden.Diese Art der Bildmessung wurde und wird vor allem seit dem ZweitenWeltkrieg zur detailgenauen Dokumentation von Baudenkmälernverwendet. (APA)

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